Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt: Auch die Kirchen sind gefordert, Demokratie und Freiheit zu stärken!

Wie in den USA erleben auch wir derzeit einen erbitterten Kulturkampf. Einerseits bemüht sich die Neue Rechte, ihre ausgrenzende Ideologie („Re-Migration“) christlich zu grundieren, während gleichzeitig einige christliche Kreise (konservative Netzwerke, adlige Milieus, „Christfluencer“) den Schulterschluss mit der radikalen Rechten und ihrem Menschen- und Familienbild suchen.

Bei den Landtagswahlen im Herbst dieses Jahres könnte eine extremistische Partei in den beiden ostdeutschen Bundesländern Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern Regierungspartei werden. Befürchtet werden tiefgreifende Veränderungen gerade in der Kultur-, Medien- und Schulpolitik, wo es um die Fundamente unseres Zusammenlebens geht. Den Kirchen wird vorgeworfen, „nicht mehr den christlichen Glauben zu pflegen“.

Das Programm der AfD ist nicht christlich, denn zum Christsein gehören wesentlich kulturelle Offenheit, Gast-freundschaft, Einsatz für Arme und Vertriebene, Solidarität, Bewahrung der Schöpfung. Diese Partei rettet nicht, wie sie behauptet, das „christliche Abendland“, sondern sie zerstört es.

Warum aber sind so viele Menschen bereit, extremistische Parteien zu wählen? Die Unzufriedenheit mit den derzeit und bisher regierenden Parteien ist groß. Zu viel wird versprochen, zu wenig gelingt es der Politik, die Komplexität der Probleme zu erklären und kompromissfähige Lösungen zu erarbeiten, die von der großen Mehrheit mitgetragen werden können. Demokratie erfordert Zuhören, Geduld, aber auch Vertrauen, denn sie ist viel mehr als nur ein Zählprinzip. Demokratie braucht demokratische Prozesse der Meinungsbildung, aktive Teilhabe und vor allem einen Wertekanon. Hier sind die Kirchen und andere zivilgesellschaftliche Organisationen gefragt.

Ländliche Gebiete vor allem im Osten dünnen aus. Mangelnde wirtschaftliche Perspektiven, Wegzüge und Geburtenmangel tragen zu einem Gefühl des Alleingelassenseins bei. Sinkende Kirchensteuereinnahmen und der Schwund in den Gottesdienstgemeinden machen die flächendeckende kirchliche Präsenz schwer bis unmöglich. Sind die bisherigen Strukturprozesse und Organisationsreformen der Kirchenleitungen, die – genau wie in der Kommunalpolitik – seit Jahrzehnten nur den Rückzug und die Schrumpfung verwalten, die zwingende und wirklich einzige mögliche Antwort? Die Gemeinden brauchen kreative, menschendienliche Lösungen!  

Demokratisches Verhalten muss immer wieder neu eingeübt werden. Das ist auch eine innerkirchliche Herausforderung besonders für die katholische Kirche. „Will die Kirche in der Gesellschaft präsent sein und bleiben“, so Hans Maier, der kürzlich verstorbene langjährige Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), „muss sie demokratische Wege gehen und sich demokratischer Mittel bedienen.“         

Wir sind Kirche-Bundesteam

 

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Zuletzt geändert am 07­.09.2026