Wir sind Kirche-Paderborn

Zur Vorstellung der Studie zum sexuellen "Missbrauch" im Erzbistum Paderborn

Pressemitteilung zur Vorstellung der Studie zum sexuellen Missbrauch im Erzbistum Paderborn der innerkirchlichen Reformgruppe Wir sind Kirche

Bielefeld, Paderborn, 16.3.2026

Die Missbrauch-Studie des Instituts für katholische Theologie der Universität Paderborn überrascht leider nicht. Ähnliche Fakten wie die im Erzbistum Paderborn zwischen 1941 und 2002 ermittelten 210 Kleriker und 489 Betroffenen sind aus den Studien anderer Diözesen in Deutschland bekannt. Auch wenn sich die Zahlen in Paderborn gegenüber der sog. MHG-Studie 2018 verdoppelt haben.

Wir sind Kirche begrüßt

- die Offenheit und Transparenz unter Beteiligung der Betroffenen bei der Erstellung der Studie, die zeitnah zur MHG-Studie beauftragt wurde und

- den geplanten offenen Umgang mit der Studie u.a. mit den angekündigten Informationsterminen in Dortmund, Schmallenberg und Rheda-Wiedenbrück.

Wir sind Kirche geht davon aus, dass die Aussagen von Erzbischof Bentz „Als heutige Bistumsverantwortliche verpflichtet uns diese historische Wirklichkeit, an einer neuen Kultur der Glaubwürdigkeit auf allen Ebenen zu arbeiten“ und „die Studie fordert uns heraus, bisherige Schritte in Intervention, Aufarbeitung und Prävention konsequent weiterzugehen und kritisch zu überprüfen, wo Veränderungen oder Anpassungen notwendig sind“ auch so umgesetzt werden. Lt. der beiden Gutachterinnen der Universität Paderborn „steht die Aufarbeitung erst am Anfang“ Wir sind Kirche fordert regelmäßige Zwischenberichte zur Umsetzung dieser Schritte. Zumal sich immer noch weitere Betroffene melden.

Das Mahnmal in der Brigidenkapelle des Paderborner Doms darf nicht reine Symbolpolitik zur Verbesserung des Images der Kirche, sondern muss „Denk-mal", "Mahn-mal" und „Mach-mal" zur Interaktion und Auseinandersetzung sein, wie es die Betroffenenvertretung formuliert hat.

Den noch lebenden Betroffenen muss eine großzügige psychologische Betreuung und angemessene finanzielle „Entschädigung“ – besser Schmerzensgeld genannt - gewährt werden.

So unglaublich und schmerzhaft speziell die Ergebnisse der Studie sind, ist es aus Sicht von Wir sind Kirche dringend erforderlich, den Reformbedarf der katholischen Kirche und damit auch im Erzbistum insgesamt in den Blick nehmen. Um in Zukunft sexuellen Missbrauch und das von den Gutachtern als „Vertuschungsspirale“ bezeichnete Verhalten von Kirche (und Gesellschaft) möglichst zu verhindern, sind v.a. Maßnahmen wie Gewaltenteilung in der katholischen Kirche, kein Staat im Staat, ein anderes Macht- und Amtsverständnis des Klerus, volle Einbeziehung und Gleichberechtigung der Laien bes. der Frauen mit Öffnung aller Ämter auch der Weiheämter, Beteiligung an der Bischofswahl und Freiwilligkeit des Zölibats erforderlich - Maßnahmen weit über die Beschlüsse des Synodalen Weges hinaus. Diese Forderungen von Wir sind Kirche bestehen seit 31 Jahren, finden aber in den Kirchenleitungen immer noch zu wenig Gehör. In Kirche, Politik und Gesellschaft muss es eine größere Sensibilität und Offenheit hinsichtlich des Themas sexueller Missbrauch geben. Dazu ist es erforderlich, dass die Ergebnisse der Studie und die Beschlüsse des Synodalen Weges mit und in den Kirchengemeinden kommuniziert werden.

Es ist eine weitere konsequente Aufarbeitung und Sanktionierung sexuellen Missbrauchs durch das Erzbistum und die weltlichen Gerichte erforderlich - gerade auch in der noch ausstehenden Studie zur Amtszeit von Erzbischof Becker, der in der Zeit von Erzbischof Degenhardt von 1996 bis 1999 die Zentralabteilung Pastorales Personal im Erzbischöflichen Generalvikariat in Paderborn leitete und damit sicherlich über entsprechende Vorgänge sexuellen Missbrauchs informiert war.

Unbedingt muss den aktuellen Vorwürfen im Oktober 2025 aus der Betroffenenvertretung und ggf. weiterer Betroffener: Erzbischof Degenhardt sei auch Täter gewesen, dringend nachgegangen werden.

Manfred Dümmer
Sprecher der innerkirchlichen Reformbewegung Wir sind Kirche im Erzbistum Paderborn
manfred.duemmer@gmx.de
0521 / 325385 oder 0170 / 9402163

 

Wir sind Kirche zur (sexualisierten) Gewalt in der Kirche 
wir-sind-kirche.de/gewalt


 

Zuletzt geƤndert am 17­.03.2026