Kolumne „Unzensiert“, Zeitung KIRCHE IN, März 2026

Macht und Ohnmacht des Vorsitzenden

Die Neuwahl des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Ende Februar 2026 in Würzburg fand inmitten der immer noch tiefen Kirchenkrise statt. Der im Januar bekannt gewordene Verzicht von Bischof Dr. Georg Bätzing auf eine zweite Kandidatur zeigt die strukturellen Grenzen des Amtes des Vorsitzenden auf.

Dieses Amt ist kein Leitungsamt mit Durchgriffsrechten, sondern ist wesentlich auf Moderation angewiesen, Blockade ist jederzeit möglich. Bätzing fand seine Grenzen nicht zuletzt am Widerstand aus Rom, am demonstrativen Ausstieg einzelner Bischöfe aus dem gemeinsam begonnenen Reformprozess, an der Zurückhaltung zahlreicher Amtsbrüder, vor allem der Weihbischöfe, und an der unzureichenden Umsetzung bereits synodal gefasster Beschlüsse.

Dem jetzt für sechs Jahre als Nachfolger gewählten Hildesheimer Bischof Dr. Heiner Wilmer, einem Ordensmann, ist zu wünschen, dass er von seinen „Mitbrüdern“ deutlich mehr unterstützt wird als sein Vorgänger. Wenn die gesellschaftliche Bedeutung der römisch-katholischen Kirche in Deutschland nicht noch weiter abnehmen soll, braucht es Gottvertrauen, aber vor allem Teamgeist aller Bischöfe und eine dem Evangelium gemäße Streitkultur. Und: nur gemeinsam mit dem Kirchenvolk wird es gelingen, die christliche Hoffnungsbotschaft wieder glaubhaft zu verkünden.

Der neugewählten Vorsitzende sollte sich entschieden zur Weiterführung synodaler Wege und Strukturen in Deutschland bekennen und diese entscheidend voranbringen. Und alle Bischöfe müssen bereit sein, sich an gemeinsam mit Laien getroffene Entscheidungen zu halten, Stichwort „Selbstverpflichtung“. Synodalität darf kein Feigenblatt bleiben, sondern muss reale Mitverantwortung und geteilte Entscheidungsgewalt ermöglichen. Neben der „Frauenfrage“ bleibt die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt eine Daueraufgabe, dem sich das ganze Episkopat mit noch größerer Konsequenz und Transparenz stellen muss.

Laut Abschlussdokument der Weltsynode sind bis Jahresende 2026 alle Diözesen und bis Ende 2027 alle Ortskirchen, hier also die Ebene der Bischofskonferenz, angehalten, Reformen sichtbar umzusetzen. Da gibt es in unseren Diözesen noch viel zu tun! Wenn jedoch interne Machtspiele, taktisches Abwarten oder römische Rücksichtnahmen dazu führen, dass gefasste Beschlüsse versanden, dann wären die großen Anstrengungen des Synodalen Weges entwertet und die Austrittszahlen aus der Kirchensteuergemeinschaft würden weiter steigen.

Kirchlich wie gesellschaftlich sind die Herausforderungen riesengroß. Der 104. Deutsche Katholikentag, der in knapp drei Monaten ebenfalls in Würzburg stattfindet, steht unter dem Motto „Hab Mut, steh auf!“. Ein Motto, das auch für den neuen Vorsitzenden und alle Bischöfe gilt.

Christian Weisner 
Wir sind Kirche Deutschland   
weisner@wir-sind-kirche.de

 

 

Zuletzt geändert am 25­.02.2026