26.3.2014 - Kölner Stadt-Anzeiger

Tebartz-van Elst kannte Baukosten

Der frühere Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz van Elst war über die Kosten für den Bau seines Bischofssitzes informiert. Das geht aus dem Abschlussbericht der Bischofskonferenz hervor. Am Morgen erkannte der Papst seinen Rücktritt an.

Limburg. Zum Schluss war er nicht mehr zu halten: Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst kehrt nicht nach Limburg zurück. Papst Franziskus habe den bereits im Oktober 2013 angebotenen Rücktritt des 54-Jährigen angenommen, wie der Vatikan am Mittwoch mitteilte. Nach heftiger öffentlicher Kritik an den explodierenden Baukosten für seine Residenz und seinem autoritären Führungsstil war der Bischof bereits im Oktober vom Papst beurlaubt worden. Priester des Bistums Limburg regierten erleichtert auf den Rückritt und das Ende der „Hängepartie“.

Zum Apostolischen Administrator des Bistums Limburg wurde der derzeitige Paderborner Weihbischof Manfred Grothe (74) ernannt. Der Beschluss des Papstes zur Entschärfung der Situation im Bistum Limburg mit rund 650.000 Katholiken wurde allgemein als kluge Entscheidung begrüßt. Tebartz-van Elst solle zu „gegebener Zeit“ mit einer anderen Aufgabe betraut werden, erklärte der Vatikan. Für die katholische Reformbewegung „Wir sind Kirche“ hat die Entscheidung eine „positive Signalwirkung für die ganze Kirche“.

Der ebenfalls am Mittwoch veröffentlichte Prüfbericht zum Bau des Limburger Bischofssitzes stellt allen Beteiligten kein gutes Zeugnis aus. Dabei seien zahlreiche Fehler und Mängel gemacht worden, hieß es. Handelnde hätten ihre Rolle anders verstanden, als es ihrem Auftrag entsprochen hätte, sagte der neu eingesetzte Apostolische Administrator Grothe am bei der Vorstellung des „Abschlussberichts über die externe kirchliche Prüfung der Baumaßnahme auf dem Domberg in Limburg“. Der Bericht diene aber nicht dazu, „jemanden zu beschuldigen“.

Man könne „nicht von einer Alleinschuld eines Einzigen“ sprechen, fügte der frühere Paderborner Weihbischof Grothe in Limburg hinzu. Es sei das Verschulden von Mehreren. Allerdings habe der Limburger Bischof geglaubt, die Baumaßnahme in seiner alleinigen Zuständigkeit ausführen zu können. Dies ist Grothe zufolge eine Fehleinschätzung mit „schlimmen Folgen“ gewesen. Ob etwas eine strafrechtliche Auswirkung haben könnte, müsse nun geprüft werden, erklärte Grothe. Die Staatsanwaltschaft habe bisher ihre Tätigkeiten ruhen lassen.

Laut Bericht war Tebartz-van Elst über die Kosten für den Bau seines Diözesanen Zentrums am Limburger Domberg informiert, auch als diese längst aus dem Ruder liefen. Spätestens am 11. September 2013 war Tebartz-van Elst bekannt gewesen, dass das Bauprojekt rund 31,5 Millionen Euro kosten wird. Allerdings habe der Bischöfliche Stuhl keinen Schaden erlitten, fügte Grothe hinzu. Der Bericht selbst kommt zu dem Ergebnis, „dass der Bischöfliche Stuhl bilanziell durch das Bauprojekt nicht wesentlich beeinträchtig wurde, weil durch die Aufwendung der liquiden Mittel Anlagevermögen entstanden ist.“

Der Limburger Generalvikar und jetzige Ständige Vertreter von Grothe, Wolfgang Rösch, zollte Tebartz-van Elst Respekt für seinen Amtsverzicht. Er hoffe, dass es auch für ihn nun eine Möglichkeit des „Neuanfangs und der Versöhnung“ gebe.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erklärte in Berlin: „Es ist gut, dass der Papst heute eine Entscheidung herbeigeführt hat, die für das Bistum Limburg eine Zeit der Unsicherheit beendet und einen Aufbruch und einen Neubeginn möglich macht.“ Marx würdigte die Arbeit der Prüfkommission, die sein Vorgänger Robert Zollitsch eingesetzt hatte. Zollitsch habe mit Sachlichkeit und Sensibilität das „nicht einfache Unterfangen“ begleitet, betonte Marx.

Für Tebartz-van Elst wird im Vatikan nach epd-Informationen derzeit nach einer neuen Aufgabe gesucht. Diese dürfte jedoch eher in der unteren Leitungsebene einer Vatikanbehörde liegen. Auch dürfte die Ernennung erst dann erfolgen, wenn das Ergebnis der Ermittlungen der deutschen Justizbehörden vorliegt.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, erklärte, es sei „sehr wichtig, dass aus den Erfahrungen in der Diözese Limburg auch die notwendigen Konsequenzen für die Kirche in ganz Deutschland gezogen werden“. Dies gelte besonders für die Transparenz der kirchlichen Finanzen und für einen kooperativen Führungsstil. (epd)

http://www.ksta.de/politik/-millionen-bischofssitz-tebartz-van-elst-kannte-die-kosten,15187246,26664046.html

Zuletzt geändert am 27­.03.2014