15.2.2016 - SWR-Landesschau

Gemeinsam helfen in der Flüchtlingskrise

Die katholischen Bischöfe rufen die Politiker in Deutschland und ganz Europa zu mehr Einigkeit in der Flüchtlingsdebatte auf. Kardinal Marx sprach die Regierung in Berlin direkt an.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat die große Koalition in Berlin zum Zusammenhalt in der Flüchtlingskrise aufgerufen. Es gelte, gerade in "stürmischen Zeiten" zusammenzustehen und nicht gegeneinander zu arbeiten, sagte Marx am Montag im baden-württembergischen Kloster Schöntal zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe.

Die Kirche habe die große Hoffnung, dass die Politik eine Lösung finden werde. Zugleich betonte der Geistliche: "Die Kirche will Teil der Lösung sein." Aufgabe der Kirche sei es, zu Besonnenheit, Nüchternheit und Miteinander in der Gesellschaft aufzurufen und immer wieder Fragen zu stellen. Angst sollten die Menschen nicht vor den Flüchtlingen haben, sondern vor einer Polarisierung der Gesellschaft und einem möglichen Zerfall Europas. Zudem könne die Kirche in ihren Einrichtungen zur Integration beitragen.

Flüchtlinge menschlich behandeln

Marx rief dazu auf, im Umgang mit Flüchtlingen an humanitären Prinzipien festzuhalten. Dazu gehöre, dass kein Flüchtling, der europäischen Boden betritt, unwürdig behandelt oder in Gewalt, Verfolgung oder Krieg zurückgeschickt werden dürfe. "Dahinter abfallen dürfen wir nicht", sagte Marx. Es müsse darum gehen, Fluchtursachen zu bekämpfen und den Menschen dort eine Zukunft zu geben, wo ihre Kultur und ihre Sprache zu Hause sind.

Vor Beginn der Versammlung hat Erzbischof Heiner Koch in Berlin den Blick auf Verschärfungen im gesellschaftlichen Klima gelenkt. Angesichts der fremdenfeindlichen "Pegida"-Bewegung warnte er vor Entwicklungen wie im Nationalsozialismus. "Ich denke, auf manche Entwicklungen im 'Dritten Reich', als sie noch abwendbar waren, hat man zu spät beziehungsweise nicht eindeutig genug reagiert", sagte er dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". Das dürfe nicht wieder passieren.

Diskussion mit Experten und Politikern

Der Umgang mit Flüchtlingen steht im Mittelpunkt der Versammlung, die bis Donnerstag dauern soll. Die Geistlichen wollen mit Experten und Politikern, darunter der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und der Erste Bürgermeister von Hamburg, Olaf Scholz (SPD), diskutieren und ein Leitbild für die katholische Flüchtlingsarbeit verabschieden.

Auf die Forderung der Reformbewegung "Wir sind Kirche", die katholische Kirche solle noch mehr Gebäude wie Priesterseminare und Klöster für Flüchtlinge öffnen, erwiderte Marx, man solle "nicht die Haare in der Suppe suchen, sondern die ermuntern, die schon etwas tun". Am Mittwoch will die Bischofskonferenz eine Liste ihrer Aktivitäten für Flüchtlinge vorlegen. Etliche Diözesen, darunter das Bistum Rottenburg-Stuttgart als Gastgeber des Treffens, hatten angesichts sprudelnder Kirchensteuereinnahmen zuletzt einen Ausbau der Flüchtlingsarbeit angekündigt.

Reformationsjubiläum: Annäherung statt Abgrenzung

Die katholischen Bischöfe und Weihbischöfe kommen jährlich zweimal zu ihren Vollversammlungen zusammen. In Schöntal wollen sich die Bischöfe auch mit dem Reformationsjubiläum 2017 beschäftigen. Statt Abgrenzung der Konfessionen setzten sie betont auf Annäherung. Im kommenden Jahr wollen katholische und evangelische Kirche daher ein gemeinsames großes Christusfest feiern. Außerdem geht es auch um die Planungen für den Weltjugendtag der katholischen Kirche im Juli im polnischen Krakau.

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Zuletzt geändert am 17­.02.2016