12.5.2019 - bild.de

Nach Rede in Bonn: Priester-Ausbilder bittet um Entschuldigung

„Es war nicht meine Absicht, homosexuelle Menschen zu verletzen“

Jetzt wurden die Diskussionen offenbar zu laut ...

Der Priester-Ausbilder des Erzbistums Köln, Pater Romano Christen, hatte am Donnerstag den Zorn von Theologen und Laienvertretern auf sich gezogen. Grund: Er bezeichnete Homosexualität als „Folge einer psychologischen (Fehl)entwicklung“. Am Freitag ruderte er zurück, entschuldigte sich für seine abwertenden Aussagen über Homosexualität.

„Mein Vortrag war, wie ich in den letzten Tagen in vielen Gesprächen gelernt habe, unzulänglich“, so Christen am Freitag in der vom Erzbistum Köln verbreiteten Stellungnahme. „Es war nicht meine Absicht, homosexuelle Menschen zu verletzen. Sofern das doch geschehen ist, bitte ich um Entschuldigung.“ Er würde Homosexuelle nicht für „krank“ halten, habe das in seinem Vortrag so auch nicht gesagt.

Zusätzlich sei in der Berichterstattung über ihn „untergegangen, dass er Standpunkte Dritter referiert“ habe, so Christen. Wichtiger sei ihm nun, klarzustellen, dass nach seiner Überzeugung „jeder Mensch Respekt verdient und niemand wegen seiner sexuellen Orientierung herabgewürdigt werden darf.“ Dass durch seine Äußerungen ein anderer Eindruck entstanden sei, täte ihm leid.

Was war passiert?

Die stark diskutierten Aussagen machte Pater Romano Christen, Direktor des Bonner Theologenkonvikts Collegium Albertinum, bereits im Januar vor Priesteranwärtern. Dort stellte er Homosexualität unter anderem als therapierbar dar. Zur „inneren Heilung“ gebe es „Therapien und Männer, die sie erfolgreich bestanden haben“, zitierte die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) aus dem Redemanuskript des gehaltenen Vortrags (BILD berichtete).

Dem Theologen schlug daraufhin harte Kritik entgegen. Christian Weisner von der katholischen Reform-Initiative „Wir sind Kirche“ erklärte: „Kardinal Woelki sollte sich überlegen, ob Menschen mit so einem Weltbild die richtigen Ausbilder für Priester sind.“

Der Freiburger Fundamentaltheologe Magnus Striet sagte der „SZ“, homosexuellen Priesteramtskandidaten werde durch solche Aussagen vermittelt, „dass sie ihre Gefühle zu verdrängen haben“. Wenn die dadurch entstehenden Probleme nach Jahren hochkämen, sei dies „eines der Einfallstore für sexuelle Gewalt in der katholischen Kirche“.

Dr. Markus Hofmann, Generalvikar des Erzbistums Köln, sagte, die von Christen geäußerten Ansichten entsprächen „nicht der Auffassung von Kardinal Rainer Maria Woelki“. Nach seiner Israel-Reise werde Woelki ein Gespräch mit dem Pater führen und dabei „seinen Standpunkt deutlich“ machen.

Zuletzt geändert am 13­.05.2019