15.7.2021 - neuesruhrwort.de / KNA

„Wir sind Kirche“: Zahlen „Warnruf“ an Kirchenleitungen

Von: André Przybyl 15. Juli 2021

München – Die Gruppierung „Wir sind Kirche“ sieht die Zahlen der Kirchenstatistik für 2020 als neuerlichen „dramatischen Warnruf“ an die Kirchenleitungen. Die weiterhin massiven Rückgänge kirchlichen Lebens über die Zahl der Kirchenaustritte hinaus seien nicht nur auf die Corona-Pandemie zurückzuführen, heißt es in einer am Mittwoch in München veröffentlichten Stellungnahme der Initiative. Vielmehr seien die aktuellen Zahlen auch das Ergebnis einer seit vielen Jahren zunehmenden Entfremdung vieler Katholikinnen und Katholiken von ihrer Kirche. Dies dürfe aber keinesfalls mit Glaubensabfall gleichgesetzt werden.

Dass die Zahl der Kirchenaustritte nicht den Spitzenwert des Vorjahres erreicht habe, sollten die Bischöfe keineswegs als Entwarnung deuten, heißt es in der Stellungnahme. Die massiven Austrittszahlen der vergangenen Monate aufgrund der anhaltenden Krisensituation im Erzbistum Köln seien schließlich noch nicht enthalten. Der Rückgang der kirchlichen Trauungen, Taufen und Erstkommunionen würden auch langfristig die Schrumpfung der kirchlich gebundenen Gemeinschaft beeinflussen. Hier habe Corona den Trend wohl nur beschleunigt.

Schmerzlicher Situation stellen

Aber auch in der Zeit des harten Lockdowns habe es Pfarrgemeinden gegeben, die durch besondere Kreativität und Aktivitäten gezeigt hätten, was eine Glaubensgemeinschaft leisten könne, erinnerte „Wir sind Kirche“. Die Initiative unterstützt zugleich das Anliegen des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, sich offen und ehrlich der schmerzlichen Situation zu stellen, die gründliche Aufarbeitung der sexualisierten Gewalt voranzubringen und mit dem Reformprozess Synodalen Weg zu versuchen, neues Vertrauen aufzubauen.

Ob dies wirklich gelingen könne, werde aber wesentlich vom Verhalten jedes einzelnen Bischofs in Deutschland und auch vom Vatikan abhängen, so die Organisation. Denn die bisher noch „mangelnde eindeutige Unterstützung für den Synodalen Weg aus Rom“ ließen immer mehr Menschen an der Reformwilligkeit und -fähigkeit der katholischen Kirche zweifeln. Umso mehr bleibe zu hoffen, dass der schwierige, aber notwendige Synodale Weg trotz der corona-bedingten zeitlichen Streckung möglichst bald zu konkreten Ergebnissen führe.

kna

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Zuletzt geändert am 16­.07.2021