Kolumne „Unzensiert“) Februar 2026
Neuland und Abschied
Bischof Georg Bätzing trat am 3. März 2020 sein Amt als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz an. Ein schwieriger Zeitpunkt, gerade hatte sich noch unter seinem Vorgänger Kardinal Marx der „Synodale Weg“ konstituiert und schon drohte mit der Corona-Krise der Stillstand. Auslöser für den Schritt zu diesem von Bischofskonferenz und Zentralkomitee der Katholiken getragenen mehrjährigen Beratungs- und Entscheidungsprozess war die MHG-Studie. Das ist die Kurzform der nach den Orten der Universitäten des Forschungskonsortiums – M(annheim)-H(eidelberg)-G(ießen) – benannten Studie mit dem Titel „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“.
Nach dem Bekanntwerden der Studie im September 2018 waren die Wogen hochgeschlagen. Im März 2019 wurde der Synodale Weg angekündigt. Und Georg Bätzing übernahm bei laufendem Betrieb zusammen mit der Präsidentin des ZDK Irme Stetter-Karp die Leitung des Synodalen Weges.
Von vornherein war klar, dass dieser Weg kein leichter sein würde. Den Konservativisten war er zu progressiv, die Kirchenrechtler bescheinigten ihm canonische Irrelvanz, die Progressiven begrüßten ihn, waren aber skeptisch. Wir sind Kirche Deutschland nutzte die Chance, die Synodalinnen und Synodalen zu ermutigen, die kritischen Themen beharrlich anzugehen. Gemeinsam mit Stetter-Karp und der Unterstützung vieler Teilnehmenden wurde der Synodale Weg zu einem Projekt, das trotz aller inneren und äußeren Schwierigkeiten wesentliche grundlegende wie handlungsorientierte Reformschritte erarbeitete, die auch weltweit Beachtung finden, ebenso auf der Ebene des 2021 von Papst Franziskus begonnenen weltweiten Synodalen Prozesses.
Mit der sechsten Vollversammlung des Synodalen Weges findet dieser einen Abschluss und mündet in der Synodalkonferenz: Sie wird aus den 27 Diözesanbischöfen, ebenso vielen Mitgliedern des ZdK und weiteren 27 von der Synodalversammlung zu wählenden Mitgliedern bestehen. Das ist in gewisser Weise auch ein Neustart.
Ein bisschen erinnert mich die Situation an Moses. Er hat sein Volk 40 Jahre durch die Wüste geführt, aber das gelobte Land hat er nur gesehen, nicht mehr betreten. Es waren nur 5 Jahre und ob die Synodalkonferenz schon schon das gelobte Land sein mag, ist zweifelhaft. Und als Diözesanbischof wird er Teil dieses Gremiums sein, aber er hat nicht mehr das Steuer in der Hand, er hat losgelassen. Zum einen eine bedauerliche Entscheidung, zum anderen auch eine verständliche. Auf jeden Fall auch eine, die neue Dynamiken freisetzen wird. Es wird spannend.
Sigrid Grabmeier
Wir sind Kirche-Bundesteam
Zuletzt geändert am 19.02.2026

