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Veröffentlicht am 01­.09.2026

1.9.2026 - Kirche In

Noch nicht einmal ignorieren

Die Absage aus der Liturgieabteilung in Rom auf die Anfrage um ein Indult (Ausnahmegenehmigung) für Deutschland für die Predigt von Laien in Eucharistiefeiern war zu erwarten. Sie ist ent-täuschend für die, die auf Reformbereitschaft gehofft hatten und frustrierend für die, die auch ohne Weihe in der Liturgie den Menschen die biblischen Texte nahe bringen.

Jetzt  hat es die deutsche katholische Kirche wieder einmal schwarz auf weiß: Nur Priester  bzw. Diakone, an die die Aufgabe delegiert wird, dürfen in einer Eucharistiefeier predigen, egal ob sie es können oder nicht, ausgebildete Theologinnen und Theologen ohne Weihe, egal wie kompetent sie sind, dürfen es nicht.

Weil nur ein Priester eine Gemeinde und eine Eucharistiefeier leiten kann, kann auch nur ein Priester predigen. Und da ein Priester in einer Eucharistiefeier anwesend ist, soll er auch die Predigt halten. - Die Katze beisst sich in den Schwanz und  kreist um sich selbst, um ihr Priesteramtsverständnis, um ihrer Selbsterhaltung willen.

Angesichts der immer leerer werdenden Kirchen möchte man meinen, das würde sowieso keine Rolle spielen. Wenn immer weniger Leute die Gottesdienste besuchen, wozu braucht es dann überhaupt noch Predigten. Andererseits, wer sagt, dass „nur“ in Kirchen und nur in Eucharistiefeiern das Wort Gottes verkündet werden kann?Mit seinen mitreißenden Ansprachen hat ein Wanderprediger aus Galiläa die Menschen begeistert und wurde letztlich der Ausgangspunkt für eine Weltreligion.

Was hätten wir alles verpasst, wenn Jesus, bevor er amtlich zum Urbild des römisch-katholischen Priester(un)wesens gestempelt wurde, nicht schon ein ganzes Leben gelebt hätte und im Verlaufe desselben z.B. die Bergpredigt hinterlassen hätte (dank der Evangelisten, auch keine Priester), die vielen Gleichnisse, seine Wutreden, seine Zeichenhandlungen und Heilungen, die auch predigten.

Die Antwort aus Rom ist vor allem für  gut ausgebildete und begabte Pastoralreferent*innen mehr als unbefriedigend. Sie ist verletzend, denn sie unterstellt, dass die Frömmigkeit eines Priesters über der eines nicht geweihten Menschen steht. Es ist eine Geringschätzung gegenüber den nicht theologisch ausgebildeten Gläubigen, ihnen wird zugemutet, wegen schlechter Sprachkenntnisse unverständliche, wegen mangelnder Lebenserfahrung seichte oder aufgrund wenig fundierter Ausbildung theologisch mangelhafte Predigten in Kauf nehmen zu müssen. Wieder wird deutlich: der Klerikalismus ist in Rom immer noch an der Tagesordnung.

Mir kommt dabei wieder einmal der Satz eines österreichischen Freundes in Erinnerung:

„Noch nicht einmal ignorieren.“ - Ich würde mir wünschen, die deutschen Bischöfe haben dafür den Mumm.

Sigrid Grabmeier

 

Zuletzt geändert am 09­.09.2026