| |
Veröffentlicht am 01­.06.2019

Juni 2019 – „Kirche In“ (Kolumne „Unzensiert“)

Maria hilft

Vor 25 Jahren, am 22. Mai 2019, verfügte Papst Johannes Paul II. mit seinem damaligen Glaubenspräfekt Kardinal Joseph Ratzinger das „endgültige“ Nein zur Frauenweihe in der römisch-katholischen Kirche. Doch trotz vielfacher Wiederholungen, zuletzt 2016 von Papst Franziskus auf dem Rückflug seiner Schwedenreise und am 30. Mai 2018 vom jetzigen Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria. Trotz der „Klarstellung“ über den „definitiven“ Charakter der Lehre von „Ordinatio sacerdotalis“: Das Denk- und Redeverbot greift nicht mehr. Zu fadenscheinig sind die theologisch unhaltbaren, höchst fehlbaren Aussagen.

Mit der Aufforderung zum einwöchigen Kirchenstreik hat die Aktion „Maria 2.0“ im Mai 2019 neue Bewegung in die Frauenfrage gebracht, die über Deutschland hinaus eine überaus breite und positive Resonanz gefunden hat. Wie beim Kirchenvolksbegehren 1995 war es auch jetzt die sexualisierte Gewalt in der Kirche, die fünf Frauen einer Gemeinde der deutschen Stadt Münster zur Aktion „Maria 2.0“ inspirierte. In einem Offenen Brief an Papst Franziskus fordern sie den Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche, die Aufhebung des Pflichtzölibats sowie eine Ausrichtung der kirchlichen Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen. Und in mehr als 1000 Gruppen und Gemeinden machten Frauen und Männer phantasievoll und unübersehbar deutlich, dass die Lösung der Frauenfrage entscheidend für die Zukunft der Kirche ist.

Die bisherigen theologischen Argumentationen, Gebete, Aufrufe und Mahnwachen haben zwar einen Bewusstseinswandel im Kirchenvolk, aber immer noch keine wesentlichen Änderungen in der Struktur der römisch-katholischen Kirche gebracht. Jetzt offenbaren die teils sehr abweisenden Reaktionen auf die Aktion „Maria 2.0“ durch einzelne Bischöfe deren Blindheit gegenüber den „Zeichen der Zeit“, ihre hartnäckige Reformunwilligkeit und eine erschreckende theologische Unbedarftheit. Es reicht jetzt nicht aus, dass manche von ihnen auf einen nur vage umschriebenen „synodalen Weg“ verweisen, der aber bezüglich der Beteiligung, des genauen Themenkatalogs und vor allem der Verbindlichkeit der Ergebnisse noch völlig undurchsichtig ist.

Die Lösung der Frauenfrage verlangt eine Revision des von Papst Pius IX. durchgepeitschten Unfehlbarkeitsdogmas und damit eine tiefer gehende Änderung des Selbstverständnisses der Kirche und ihrer Ämtertheologie. Danke, ihr Frauen in Münster, dass ihr den Kairos erkannt und uns eine neue Aktionsform gezeigt habt, bevor noch mehr sehr viel Menschen aus der Kirche austreten!

Christian Weisner
Wir sind Kirche Deutschland
www.wir-sind-kirche.de

 

Zuletzt geändert am 21­.05.2019