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Veröffentlicht am 12­.12.2020

12.12.2020 - imprimatur-trier.de 53. Jahrgang 2020, Heft 4

Die Zeit der Schafe ist vorbei!

25 Jahre Kirche von unten (richtiger wäre: Wir sind Kirche)

Das im Jahr 1995 in Österreich gestartete KirchenVolksBegehren hat sich zu einer weltweit vernetzten innerkirchlichen Reformbewegung entwickelt. Das, was vor 25 Jahren in Innsbruck formuliert wurde, kann rückblickend durchaus als prophetisch bezeichnet werden. Denn es entspricht weithin dem, was die deutsche MHG-Missbrauchsstudie als Risikofaktoren sexualisierter Gewalt und ihrer Vertuschung erkannt hat und was jetzt beim Synodalen Weg in Deutschland thematisiert wird. Die damals noch abgelehnten Forderungen nach Geschwisterlichkeit, Frauengerechtigkeit, Aufhebung des Zölibats-Zwangs, positiver Bewertung der Sexualität und nach einem Ende kirchlicher Drohbotschaften – formuliert als positive Antwort auf den Wiener Kirchenskandal und umstrittene Bischofsbestellungen in Österreich – gelten seitdem als weltweiter Reformkanon für ein visionäres Kirchenbild. Mittlerweile werden sie auch von nicht wenigen in der Kirchenleitung mitgetragen.

Gemeinsam mit vielen anderen Reformgruppen und einer erneuerungswilligen Theologie haben wir erreicht, dass das im Zweiten Vatikanischen Konzil grundgelegte Bewusstsein gewachsen ist: Träger der christlichen Botschaft ist das ganze Volk Gottes (Lumen Gentium 12). Die befreiende Botschaft gilt nicht nur der Kirche, sondern der ganzen Welt (Gaudium et spes 1f). Dies ruft auch Papst Franziskus immer wieder eindringlich in Erinnerung. Die Zeit des blinden Gehorsams, die Zeit der Schafe ist vorbei; es wird nicht länger auf Genehmigungen von oben gewartet. Ein ungerechtes Gesetz ist kein Gesetz, es verpflichtet niemanden, sagt Augustinus. Die Zeit der Freiheit der Christinnen und Christen (Paulus) hat begonnen.

Die derzeitige Umbruchsituation erscheint in ihrem Ausmaß mit der Zeit der Reformation vergleichbar. Jüngste Bewegungen wie „Maria 2.0“ oder die „OrdensFrauen für MenschenWürde“ sind ermutigende „Zeichen der Zeit“. Es braucht eine prophetische Vision, die vom Leben der Gemeinde ausgeht, nicht von einer monarchischen Kirchenleitung. Es braucht eine Gewaltenteilung und eine Charta der Grundrechte in der Kirche (siehe Seite 4), die auch die Einzelnen schützt. Wir sind Kirche wird sich auch in Zukunft für eine den Menschen zugewandte weltoffene Kirche einsetzen, die in dialogischer Weise glaubwürdig die Botschaft Jesu verkündet und an der Verwirklichung des Reiches Gottes mitwirken will. Erneuern wir unsere Kirche auf dem Kurs des Zweiten Vatikanischen Konzils!

Vorstand der Plattform Wir sind Kirche, Österreich
Bundesteam der KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche, Deutschland

http://www.imprimatur-trier.de/2020/Imprimatur-2020-04_12.pdf

Seite 225-229:
Vollständiger Abdruck der 4-seitigen Sonderveröffentlichung in schwarz-weiß:

www.wir-sind-kirche.de/files/wsk/2020/2020_Zeit_der_Schafe_ist_vorbei_Farbe.pdf

 

 

Zuletzt geändert am 02­.01.2021

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