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Veröffentlicht am 23­.12.2020

23.12.2020 - mittelbayerische.de

Es wird eine „stille Nacht“

Was tun, wenn die Kirchenleitungen immer noch versagen? Vielleicht müssen wir wieder ganz von vorne anfangen.
Von Magnus Lux

Rom.Heute ist euch der Retter geboren“ – Weihnachten klingt 2020 anders als sonst. Die Kirchen sind wegen Corona nur spärlich besucht, das frohe Singen fällt aus: Es wird eine „Stille Nacht“. Wird es auch eine „heilige Nacht“ sein? In den letzten Wochen mussten wir mit Entsetzen feststellen, dass die erschütternden Berichte über sexualisierte Gewalt durch Kleriker und die Vertuschung durch Bischöfe und Kardinäle bis hin zur Kirchenleitung in Rom noch einmal getoppt wurden.

Ordensfrauen haben Priestern Heimkinder zu Sexspielen zugeführt und dafür Geld genommen. Gequälte Kinder, gemordete Seelen; Abgründe und Doppelmoral; sexuelle Perversion und männerbündische Geheimhaltung! Wie glaubwürdig klingen dann Predigten, die von der „Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Gottes“ sprechen? Ja, es ist „Nacht“ in unserer Kirche. Kann diese „Nacht“, diese unfassbare Verwirrung, hell werden, kann sie zu einer „heiligen Nacht“ werden?

Jesus Ruf ist aktueller denn je

Die Botschaft „Heute ist euch der Retter geboren“ empfangen nicht der einflussreiche Hohepriester, nicht der Hohe Rat in Jerusalem und die Priester, empfangen nicht die Pharisäer, die als die Frommen galten – nein, diese Botschaft empfangen die Hirten, die zur damaligen Zeit an den Rand Gedrängten. Was tun, wenn die Kirchenleitungen bei allem Bemühen einzelner Bischöfe immer noch versagen? Austreten? Nein!

Diejenigen, die die Frohe Botschaft, die Botschaft von der Liebe und Güte Gottes, die Botschaft vom Frieden und der Geschwisterlichkeit in ihrem Leben zur Geltung bringen wollen, müssen sich selbst ermächtigen. Dann wird Kirche eine Gemeinschaft sein, wie sie der Mann aus Nazaret, dessen Geburtstag wir an Weihnachten feiern, gewollt hat. Sein Ruf „Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Weh euch, ihr seid blinde Führer!“ ist heute aktueller denn je.

Vielleicht müssen wir wieder ganz von vorne anfangen. Die ersten Christen und Christinnen trafen sich in ihren Häusern zum Gebet und zum Erinnerungsmahl, der großen Danksagung, der Eucharistie. Und die Menschen wunderten sich: „Seht, wie sie einander lieben.“ Dann können wir in unseren Häusern und Familien singen: „Stille Nacht, heilige Nacht! Hirten erst kundgemacht durch der Engel Halleluja, tönt es laut von fern und nah: Christ, der Retter, ist da!“

https://www.mittelbayerische.de/politik-nachrichten/es-wird-eine-stille-nacht-21771-art1967457.html

Zuletzt geändert am 05­.01.2021

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