Kolumne „Unzensiert“, Zeitung KIRCHE IN, Juni 2026
Verzögerte Matura
Synode heißt Gemeinsam-unterwegs-sein. Bei der Weltsynode war die katholische Kirche der ganzen Welt gemeinsam unterwegs. Bei diesem Gemeinsam-unterwegs-sein wurde deutlich, dass es tatsächlich Themen gibt, die in allen Regionen ähnlich gesehen werden, andere aber sehr unterschiedlich. Die größten Unterschiede gab es bei allen Themen, die Menschen selbst angingen, das Verhältnis von Mann und Frau, Fragen der Sexualität, Fragen zu Geschlechtergerechtigkeit – auch in der Kirche. Da wurde auch deutlich, dass es Unterschiede gab, was die Ansichten des jeweiligen Kirchenvolkes im Gegensatz zur Kirchenleitung betraf.
Beim Katholikentag in Würzburg nahmen bei einer Veranstaltung der Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Mario Grech und der Belgrader Kardinal Ladislav Nemet als Vertreter des hohen Klerus an einer Podiumsdiskussion zur Synodalität als Strukturprinzip der Kirche teil.
Beide versuchten zum einen die deutsche Kirche, mithin die Katholik:innen, zu loben für ihr Engagement und ihren Beitrag zu einer wirklich lebendigen Kirche. Auch der Synodale Weg wurde ganz grundsätzlich als positiv eingestuft. Und dann kamen natürlich auch wieder die Dämpfer. Ja, die unterschiedlichen Geschwindigkeiten in der Weltkirche, und für einige Ortskirchen sei der synodale Weg Anlass gewesen, Synodalität gar nicht erst aufkommen zu lassen. …
Mich hätte es gewundert, wenn die beiden Kleriker anders argumentiert hätten. Die anderen Personen auf dem Podium, die Generalsekretärin des Synodalen Wegs der katholischen Kirche in Irland, Julieann Moran, die Theologin Birgit Weiler aus Peru sowie die Theologiestudentin Finja Miriam Weber, die Mitglied der Synodalversammlung in Deutschland war, setzten den Argumenten der Entschleunigung Argumente für das entschiedene Vorangehen entgegen. - Ob die Kirchenleitung in Rom dieses Vorangehen befürwortet, wird sich aber erst zeigen, wenn die Durchführung der für November geplanten Synodalkonferenz in Fortführung des synodalen Weges von dort „genehmigt“ wird.
Irgendwie kommt mir die Situation so ähnlich vor, wie wenn ein Schulleiter oder Schulleiterin den Schüler:innen erklären würde, sie stünden ja jetzt kurz vor dem Abitur (Weggang, Ausscheiden) bzw. der Matura (Reife), da aber diejenigen in den unteren Klassen noch nicht soweit seien, müssten sie noch auf diese warten. - Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies auf allgemeines Verständnis stößt.
Sigrid Grabmeier
Wir sind Kirche Deutschland
Zuletzt geändert am 29.05.2026

