24.9.2026 - KNA Aktuell
KI, Suizidhilfe, Kirchenreform: Katholische Bischöfe tagen in Fulda
Erstmals mit dem neuem Papstbotschafter in Deutschland
Die katholischen Bischöfe treffen sich in der kommenden Woche in Fulda zu ihrer traditionellen Herbstversammlung. Die
Gesprächsthemen reichen von AfD bis Kirchenreformen. Gewählt werden neue Kommissionsvorsitzende.
Von Volker Hasenauer (KNA)
Fulda (KNA) Bislang war es nur ein Szenario für Science-
Fiction-Romane: die allmächtige KI. Doch inzwischen warnen
selbst Vertreter der US-Techgiganten vor einer unkontrollierten
Entwicklung der von ihnen geschaenen Programme.
Ein Innehalten oder weltweite Regulierung folgt daraus
nicht. Stattdessen ieÿen schier unbegrenzte Ressourcen in
den KI-Rechenzentren-Ausbau. Der Ukraine-Krieg befeuert
die Entwicklung von KI-gesteuerten Waensystemen.
Bei ihrer Herbstvollversammlung in der kommenden Woche
in Fulda wollen die deutschen katholischen Bischöfe einen
Tag lang über die KI-Revolution debattieren. Ausgangspunkt
ist das Lehrschreiben von Papst Leo XIV., der eine Entwa-
nung von KI fordert: KI ist bereits eine Umwelt, die uns
umgibt, und eine Macht, mit der wir uns auseinandersetzen
müssen. Daher reicht es nicht aus, sie zu regulieren: Sie
muss entwanet und lebensfreundlich gemacht werden. Am
Mittwoch will sich der Bischofskonferenz-Vorsitzende Heiner
Wilmer dazu äuÿern.
Die traditionelle Herbstversammlung der rund 60 Weihund
Ortsbischöfe soll weitere politische Themen angehen:
Wie verändern die jüngsten Landtagswahlen und der AfDSiegeszug
die Gesellschaft? Das Katholische Büro Berlin wird
seinen politischen Bericht vorlegen. Die Kirchen in Sachsen-
Anhalt befürchten im Falle einer AfD-geführten Landesregierung
eine scharfe Konfrontation.
Der frühere Konferenzvorsitzende Georg Bätzing lieÿ zuletzt
durchblicken, dass es bereits kirchliche Notfallpläne gibt,
falls Staatsleistungen oder der Einzug der Kirchensteuer in
Sachsen-Anhalt gestoppt würden. Diese Partei steht eigentlich
für alles, was wir nicht unterstützen, sagte Bätzing.
Auf der Tagesordnung stehen auch Beratungen über wichtige
medizinethische Fragen. Etwa zu den jetzt neu vom
Bundestag diskutierten Regeln für Organspende. Die Kirchen
sprechen sich dafür aus, Menschen regelmäÿig etwa in Ämtern
abzufragen, ob sie ihre Organe spenden wollen. Kritisch
beurteilen sie eine Widerspruchsregelung, wonach jeder Bürger,
der nicht ausdrücklich widerspricht, ein potenzieller Organspender
wäre.
In der neu aufgeammten Debatte um eine mögliche Legalisierung
von Leihmutterschaft dürften die Bischöfe wohl
erneut ihre grundlegende Ablehnung begründen. Ähnlich alarmiert
ist die katholische Kirche im Blick auf die aktuelle
rechtliche Grauzone bei der Beihilfe zur Selbsttötung. Die
Bischöfe sind sich einig, dass in katholischen Pegeheimen
keine Suizid-Beihilfe geleistet werden soll. Doch wie sollen
Pegerinnen mit entsprechenden, drängenden Wünschen umgehen?
In Fulda wird dazu die scheidende Präsidentin des
Deutschen Caritasverbands, Eva Maria Welskop-Deaa, erwartet.
Sie kann aus der Praxis deutscher Pegeheime berichten.
Innerkirchlich bedeutsam ist, dass erstmals der neue
Papstvertreter in Deutschland, Hubertus van Megen, zur Bischofsvollversammlung
kommt. Dem Nuntius eilt der Ruf eines
ruhigen und sachlichen Vermittlers voraus. Der Katholischen
Nachrichten-Agentur (KNA) sagte van Megen, Ende
Oktober im Vatikan Gespräche über den Reformprozess der
Kirche in Deutschland zu führen.
Ein im November geplantes Treen der neuen Synodal-
konferenz, bei der Bischöfe und kirchliche Engagierte zusammenarbeiten
sollen, war zuletzt abgesagt worden. Der Vatikan
sieht kritisch auf den deutschen Reformweg und hat der Satzung
des neuen Gremiums bisher nicht zugestimmt. Manche
befürchten jetzt eine lange Hängepartie. Gleichzeitig will die
katholische Basis vorangehen.
Kirchliche Verbände und Gruppen riefen die katholischen Bischöfe zu weiteren Reformschritten auf. Die Geduld des
Kirchenvolks ist erschöpft, heißt es in einem Appell von Katholischem Deutschen Frauenbund (KDFB), Katholischer
Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) und Wir sind Kirche. Ein Weiter so innerhalb der traditionellen hierarchischen
Strukturen führe in die Sackgasse.
Turnusgemäÿ stehen in Fulda auch Neuwahlen für die
Kommissionen der Bischofskonferenz an. Die bislang 14 Fachabteilungen
werden zu nur noch 8 Kommissionen zusammengefasst.
Ziel ist ein pragmatischeres und schnelleres Arbeiten.
Und auch das Dauerthema Prävention und Aufarbeitung von
sexualisierter Gewalt und Missbrauch läuft weiter. Kurz vor
der Bischofstagung wird dazu noch ein Bericht zu Missbrauch
in geistlichen Gemeinschaften vorgestellt.
Und dem Trierer Bischof Stephan Ackermann fällt die
Aufgabe zu, in Fulda von der Frankreich-Reise des Papstes
zu berichten. Noch am Montag will Leo XIV. im nur wenige
Kilometer von der saarl
Zuletzt geändert am 26.09.2026

