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Veröffentlicht am 28­.10.2026

28.10.2026 - drs.de

Die Umsetzung der Weltsynode in der Diözese

Bischof Dr. Klaus Krämer im Gespräch mit der feministischen Theologin Dr. Annette Jantzen im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart.

„Bischöfe und Laien müssen einander zuhören, gemeinsam beraten und entscheiden. Abweichende Entscheidungen müssen vom Bischof begründet werden“, betonte Bischof Dr. Klaus Krämerin seiner einführenden Rede. „Die Kirche ist immer noch eine Monarchie, die Frauen diskriminiert“ hielt die feministische Theologin Dr. Annette Jantzen in ihrem Co-Referat entgegen. 

Auf Einladung des pro concilio e.V./Konzil von unten und der Katholischen Erwachsenenbildung (keb)waren am vergangenen 24. Oktober 138 Zuhörer ins Haus der Katholischen Kirche in Stuttgartgekommen. „Wie wird in unserer Diözese die Weltsynode umgesetzt?“ lautete das Thema. 

Ehrenamt und Hauptamt neu überdacht und stärker verzahnt

In der Kirche müsse nicht alles einheitlich geregelt und entschieden werden, sagte der Bischof. Deshalb habe Papst Franziskus eine „heilsame Dezentralisierung“ gefordert. Das gesamte Volk Gottes besitze den Spürsinn des Glaubens (sensus fidei). Dieser müsse durch neue Formen der Synodalität zum Ausdruck kommen. Allerdings würden viele Kirchengemeinden die Möglichkeiten, die ihnen das bereits von Bischof Leiprecht eingeführte Rottenburger Modell biete, noch gar nicht nutzen, so der Bischof weiter. Von besonderer Bedeutung sei hierbei das Ehrenamt. Im Zuge der anstehenden Strukturreform der Diözese und der neuen synodalen Kultur sollten Ehrenamt und Hauptamt neu überdacht und stärker verzahnt werden, forderte Bischof Dr. Klaus Krämer. 

Monarchische Struktur der Kirche nicht biblisch begründet

Dr. Annette Jantzen würdigte in ihrem Co-Referat einzelne Fortschritte, wies aber darauf hin, dass auch nach der Weltsynode die monarchische Struktur der Kirche bestehen bleibe. Diese Struktur sei nicht biblisch begründet, so die Theologin, sondern erst allmählich aufgebaut und in den letzten Jahrhunderten verfestigt worden. Das erste Vatikanum (1869/70) habe den Papst zum absoluten und unfehlbaren Fürsten gemacht, das zweite (1962-1965) den Bischöfen weitreichende Rechte gegeben, die sie in den ersten Jahrhunderten nicht gehabt hätten. Unter den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. seien die Gräben zwischen Klerikern und Laien vertieft worden, sagte Dr. Jantzen. Frauen würden heute in zwei Welten leben, der zivilen, wo sie gleichen Rechte wie Männer hätten, und der kirchlichen, wo sie von allen Weiheämtern und vielen Leitungsfunktionen ausgeschlossen würden. Von der Weihe verheirateter bewährter Männer zu Priestern (viri probati) riet Annette Jantzen ab, weil dies neue Gräben zwischen Frauen und Männern aufreißen würde. 

Bei der Frage der Frauenweihe ist das letzte Wort noch nicht gesprochen

In der von Petra Wagner anschließend souverän moderierten Diskussion erklärte Bischof Dr. Klaus Krämer, dass man die Kirche nicht mit einer parlamentarischen Demokratie gleichsetzen könne. Allerdings gebe es noch Spielraum, im Sinne einer größeren Beteiligung der Laien an Entscheidungsprozessen. Dr. Annette Jantzen bestand darauf, dass dies auch im Kirchenrecht verankert werden müsse. Die Einbeziehung der Laien dürfe nicht von der Gnade des jeweiligen Bischofs abhängen. Es sei naiv, immer nur auf den Heiligen Geist zu vertrauen. Die Amazonassynode habe gezeigt, wie Gleichberechtigung von Männern und Frauen gelebt werden könne, so die Theologin Jantzen. Der Bischof entgegnete, dass im Ordinariat viele Leitungsfunktionen durch Frauen ausgeübt würden, ebenso bei der Caritas und den kirchlichen Stiftungen. Bei der Frage der Frauenweihe sei das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die negativen Aussagen des Papstes Johannes Paul II. hätten nicht an der Unfehlbarkeit teil. Letztlich sei es eine Frage, ob das Gottesvolk den Ausschluss der Frauen akzeptieren würde. Dies könne sich noch ändern, freilich nicht kurzfristig, meinte der Bischof zuversichtlich. 

Vor der Versöhnung kommt der Konflikt

Das Publikum hielt Reformen für überfällig, wie aus den Fragen und spontanem Applaus deutlich wurde. Vereinzelt wurde jedoch auch Kritik am synodalen Prozess geäußert. 

Nach dem gelungenen Austausch dankten die Referenten einander für die respektvolle Diskussion. Meinungsunterschiede müsse man nicht nur aushalten, sie seien sogar notwendig, so Dr. Annette Jantzen: „Vor der Versöhnung kommt der Konflikt“. Darin war sie sich mit dem Publikum einig. 

Zuletzt geändert am 28­.10.2026