Monarchische Struktur der Kirche nicht biblisch begründet
Dr. Annette Jantzen würdigte in ihrem Co-Referat einzelne Fortschritte, wies aber darauf hin, dass auch nach der Weltsynode die monarchische Struktur der Kirche bestehen bleibe. Diese Struktur sei nicht biblisch begründet, so die Theologin, sondern erst allmählich aufgebaut und in den letzten Jahrhunderten verfestigt worden. Das erste Vatikanum (1869/70) habe den Papst zum absoluten und unfehlbaren Fürsten gemacht, das zweite (1962-1965) den Bischöfen weitreichende Rechte gegeben, die sie in den ersten Jahrhunderten nicht gehabt hätten. Unter den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. seien die Gräben zwischen Klerikern und Laien vertieft worden, sagte Dr. Jantzen. Frauen würden heute in zwei Welten leben, der zivilen, wo sie gleichen Rechte wie Männer hätten, und der kirchlichen, wo sie von allen Weiheämtern und vielen Leitungsfunktionen ausgeschlossen würden. Von der Weihe verheirateter bewährter Männer zu Priestern (viri probati) riet Annette Jantzen ab, weil dies neue Gräben zwischen Frauen und Männern aufreißen würde.
Bei der Frage der Frauenweihe ist das letzte Wort noch nicht gesprochen
In der von Petra Wagner anschließend souverän moderierten Diskussion erklärte Bischof Dr. Klaus Krämer, dass man die Kirche nicht mit einer parlamentarischen Demokratie gleichsetzen könne. Allerdings gebe es noch Spielraum, im Sinne einer größeren Beteiligung der Laien an Entscheidungsprozessen. Dr. Annette Jantzen bestand darauf, dass dies auch im Kirchenrecht verankert werden müsse. Die Einbeziehung der Laien dürfe nicht von der Gnade des jeweiligen Bischofs abhängen. Es sei naiv, immer nur auf den Heiligen Geist zu vertrauen. Die Amazonassynode habe gezeigt, wie Gleichberechtigung von Männern und Frauen gelebt werden könne, so die Theologin Jantzen. Der Bischof entgegnete, dass im Ordinariat viele Leitungsfunktionen durch Frauen ausgeübt würden, ebenso bei der Caritas und den kirchlichen Stiftungen. Bei der Frage der Frauenweihe sei das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die negativen Aussagen des Papstes Johannes Paul II. hätten nicht an der Unfehlbarkeit teil. Letztlich sei es eine Frage, ob das Gottesvolk den Ausschluss der Frauen akzeptieren würde. Dies könne sich noch ändern, freilich nicht kurzfristig, meinte der Bischof zuversichtlich.
Vor der Versöhnung kommt der Konflikt
Das Publikum hielt Reformen für überfällig, wie aus den Fragen und spontanem Applaus deutlich wurde. Vereinzelt wurde jedoch auch Kritik am synodalen Prozess geäußert.
Nach dem gelungenen Austausch dankten die Referenten einander für die respektvolle Diskussion. Meinungsunterschiede müsse man nicht nur aushalten, sie seien sogar notwendig, so Dr. Annette Jantzen: „Vor der Versöhnung kommt der Konflikt“. Darin war sie sich mit dem Publikum einig.