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Veröffentlicht am 01­.11.2026

1.11.2026 - Sonntagsblatt

„Frauen leben heute in zwei Welten“

WELTSYNODE „Wie steht es mit der Umsetzung der Weltsynode in unserer Diözese?“ - mit dieser Frage haben sich auf Einladung der Initaitiven pro concilio e.V./Konzil von unten und der Katholischen Erwachsenenbildung (keb) nach Stuttgart Bischof Klaus Krämer und die Theologin Annette Jantzen befasst. 

„Bischöfe und Laien müssen einander zuhören, gemeinsam beraten und entscheiden. Abweichende Entscheidungen müssen vom Bischof begründet werden“, betonte Bischof Dr. Klaus Krämer in seiner einführenden Rede. „Die Kirche ist immer noch eine Monarchie, die Frauen diskriminiert“ hielt die feministische Theologin Dr. Annette Jantzen in ihrem Co-Referat entgegen.

Auf Einladung von pro concilio e.V./Konzil von unten und der Katholischen Erwachsenenbildung (keb) sind 138 Zuhörer ins Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart gekommen. Wie wird die Weltsynode in unserer Diözese umgesetzt? - so lautete das Thema. In der Kirche müsse nicht alles einheitlich geregelt und entschieden werden, sagte der Bischof. Deshalb habe Papst Franziskus eine „heilsame Dezentralisierung“ gefordert. Das gesamte Volk Gottes besitze den Spürsinn des Glaubens (sensus fidei). Dieser müsse durch neue Formen der Synodalität zum Ausdruck kommen. „Allerdings nutzen viele Kirchengemeinden die Möglichkeiten, die ihnen das bereits vom Bischof Leiprecht eingeführte Rottenburger Modell bietet, noch gar nicht“, bedauerte er und verwies dabei auf die besondere Bedeutung des Ehrenamts. Im Zuge der anstehenden Strukturreform der Diözese und neuen synodalen Kultur sollten Ehrenamt und Hauptamt neu überdacht und stärker verzahnt werden.

Annette Jantzen würdigte in ihrem Co-Referat einzelne Fortschritte, wies aber darauf hin, dass die monarchische Struktur der Kirche auch nach der Weltsynode bestehen bleibe. „Dabei ist diese Struktur nicht biblisch begründet, sondern erst allmählich aufgebaut und in den letzten Jahrhunderten verfestigt worden“, stellt sie klar. Das Erste Vatikanum (1869/70) habe den Papst zum absoluten und unfehlbaren Fürsten gemacht, das Zweite Vatikanum (1962-1965) den Bischöfen weitreichende Rechte gegeben, die sie in den ersten Jahrhunderten nicht gehabt hätten. Unter den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. seien die Gräben zwischen Klerikern und Laien vertieft worden. „Frauen leben heute in zwei Welten, der zivilen, wo sie gleiche Rechte wie Männer hätten, und der kirchlichen, wo sie von allen Weiheämtern und vielen Leitungsfunktionen ausgeschlossen werden.“ Von der Weihe verheirateter bewährter Männer zu Priestern (viri probati) riet Annette Jantzen ab, weil dies neue Gräben zwischen Frauen und Männern aufreißen würde.

In der von Petra Wagner anschließend moderierten Diskussion erklärte der Bischof, dass die Kirche nicht mit einer parlamentarischen Demokratie gleichgesetzt werden könne. Allerdings gebe es Spielraum im Sinne einer größeren Beteiligung der Laien an Entscheidungsprozessen. Annette Jantzen bestand darauf, dass dies auch im Kirchenrecht verankert werden müsse. „Die Einbeziehung der Laien darf nicht von der Gnade des jeweiligen Bischofs abhängen“, betonte sie. Und weiter: „Es sei naiv, immer nur auf den Heiligen Geist zu vertrauen. Die Amazonassynode hat gezeigt, wie Gleichberechtigung von Männern und Frauen gelebt werden kann.“ Der Bischof entgegnete, dass viele Leitungsfunktionen im Ordinariat durch Frauen ausgeübt würden, ebenso bei der Caritas und kirchlichen Stiftungen. Bei der Frage der Frauenweihe sei das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die negativen Aussagen von Papst Johannes Paul II. hätten nicht an der Unfehlbarkeit teil. Letztlich sei es eine Frage, ob das Gottesvolk den Ausschluss der Frauen akzeptieren würde. „Dies könne sich ändern, freilich nicht kurzfristig.“

Das Publikum hielt Reformen für überfällig, wie aus den Fragen und spontanem Applaus deutlich wurde, aber vereinzelt wurde auch Kritik am synodalen Prozess geäußert. „Meinungsunterschiede müsse man nicht nur aushalten, sie seien sogar notwendig“, erklärte Annette Jantzen: „Vor der Versöhnung kommt der Konflikt“.

Martin Schockenhoff

Zuletzt geändert am 02­.11.2026