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Veröffentlicht am 04­.01.2009

20 Jahre „Kölner Erklärung“

„Kölner Erklärung“ heute leider so aktuell wie vor 20 Jahren

Pressemitteilung München, 4. Januar 2009

Wir sind Kirche zur „Kölner Erklärung: Wider die Entmündigung – für eine offene Katholizität“ vom 6. Januar 1989

Die „Kölner Erklärung“ vom Dreikönigstag 1989, die sich gegen die päpstliche Disziplinierung der Bischöfe und der Theologie in der Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) wendete, hat bis heute nichts von ihrer Aktualität und Dringlichkeit verloren, sondern ist angesichts der römischen Erlasse und des restaurativen Kurses der letzten Jahrzehnte aktueller denn je. In vielen Punkten sind die damals formulierten Befürchtungen und Warnungen eingetreten oder sogar überboten worden, erklärt die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche zum 20. Jahrestag der „Kölner Erklärung“.

Die vom Vatikan verfolgte Praxis der Bischofsernennungen, die Eingriffe in die Freiheit theologischer Forschung und Lehre auf der ganzen Welt sowie der Versuch Roms, die päpstliche Unfehlbarkeit auf moralische Fragen auszudehnen, sahen die Autoren der „Kölner Erklärung“ als schleichende Rücknahme der dialogischen Struktur der römisch-katholischen Kirche, wie sie das Zweite Vatikanische Konzil wiedereinführen wollte und betont hatte. Ein Anlass waren sicher auch die Papstansprachen im Herbst 1988 zur Geburtenregelung, 20 Jahre nach Veröffentlichung der Enzyklika „Humane Vitae“. Bezogen auf den von Rom durchgesetzten Wechsel von Kardinal Joachim Meisner von Berlin nach Köln wurde die nachträgliche Änderung der Wahlordnung kritisiert (siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Meisner).

Seit der heftig umstrittenen Enzyklika „Humanae vitae“ (1968) hat das römische Lehramt versucht, den Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils durch immer neue Verordnungen und Erlasse einzugrenzen und einzuengen und den Glauben der Kirche gegen vermeintliche Irrtümer von innen und von außen zu verteidigen. Doch statt sich hinter fixierten Formeln und unabänderlichen Sätzen zu verschanzen, sollte die Leitung der römisch-katholischen Kirche das wachsende Verlangen nach Glaubenstiefe ernst nehmen. Nach Ansicht der katholischen Reformbewegung beschleunigt ein angstmotivierter, allein auf Bewahrung des „bewährten Alten“ festgelegter Verteidigungskurs den Prozess der Verdunstung des Christentums in unseren modernen Gesellschaften.

Bereits 1968 hatte Hans Küng die Erklärung „Für die Freiheit der Theologie“ entworfen, die von Yves Congar, Karl Rahner und Edward Schillebeeccks überarbeitet und schließlich von 1.360 katholischen Theologinnen und Theologen aus aller Welt – darunter auch Joseph Ratzinger – unterzeichnet wurde. – Am 19. November 1988 hatten die fünf Pastoraltheologen Norbert Greinacher, Norbert Mette, Leo Karrer, Herrmann Steinkamp und Ottmar Fuchs die Erklärung „Die kirchliche Einheit wird aufs Spiel gesetzt!“ veröffentlicht.

Die „Kölner Erklärung: Wider die Entmündigung – für eine offene Katholizität“ wurde bis Mai 1989 von über 220 katholischen Theologieprofessorinnen und -professoren aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden unterzeichnet, darunter Franz Böckle, Johannes Brosseder, Peter Eicher, Ottmar Fuchs, Norbert Greinacher, Johannes Gründel, Friedhelm Hengsbach SJ, Peter Hünermann, Albert Keller SJ, Hans Küng, Norbert Mette, Johann Baptist Metz, Dietmar Mieth, Norbert Scholl, Knut Walf, Jürgen Werbick und Hans Zirker. Als wesentliche Initiatoren gelten Dietmar Mieth (Textvorlage, Redaktion und Unterschriftensammlung), Norbert Greinacher (Treffpunkt in Köln, Organisation und Pressearbeit), Albert Keller SJ sowie Peter Eicher.

Dem Geist der Kölner Erklärung, die den Protest wider die Entmündigung auf den Punkt brachte, hatten sich später über 700 Theologinnen und Theologen in der ganzen Welt angeschlossen. Ein wesentliches Ergebnis der Kölner Erklärung war die Gründung der „Europäischen Gesellschaft für katholische Theologie (ET)“ im Jahr 1989. Auch das KirchenVolksBegehren, das 1995 allein im deutschsprachigen Raum 2,5 Millionen Unterschriften erhielt, ist den Reformbewegungen zuzuordnen, die sich zum Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils und der darauf aufbauenden theologischen Forschung und pastoralen Praxis bekennen.

Weitere Informationen:
Christian Weisner (Wir sind Kirche-Bundesteam)
Tel.: 08131-260250 oder 0172-5184082
presse@wir-sind-kirche.de



Links und Lesetipps:

Dietmar Mieth
Eine durchwachsene Bilanz. Die „Kölner Erklärung“ von 1989 und ihre Wirkungen
HerderKorrespondenz Heft 2/2009, Seite 66-67
PDF

Kölner Erklärung. Wider die Entmündigung – für eine offene Katholizität
Kölner Erklärung katholischer Theologieprofessorinnen und Theologieprofessoren vom Dreikönigsfest, 6.1.1989
PDF

Dietmar Mieth
Artikel „Kölner Erklärung“ in: LThK, Neuausgabe, Bd. 4. Freiburg i. Br. 1997

Werner Böckenförde
“Kirchenrechtliche Anmerkungen zur gegenwärtigen Lage in der römisch-katholischen Kirche“
Vortrag gehalten auf der Wir sind Kirche-Bundesversammlung am 3. Oktober 1998 in Würzburg
PDF

Johannes Brosseder
Eine Stellungnahme zur Kölner Theologen-Erklärung (Ökumenische Aspekte der Kölner Theologen-Erklärung)
> Orientierung 53 (1989) Heft 4, 28. Februar 1989

Christoph Fleischmann
Der ewige Kardinal. Blätter für deutsche und internationale Politik 1 / 2009, Seiten 33-36
PDF

Christoph Fleischmann
M – eine Kirche hat einen Bischof. Kardinal Joachim Meisner und das Erzbistum Köln.
WDR 5, 21.12.2008: Originalton-Collage mit Zitaten aus dem Roman „Die Brüder Karamasow“ von Fjodor Dostojewski
PDF


ACHTUNG:
Es gibt auch „Kölner Erklärungen“, die NICHT die katholische Kirche betreffen, z.B.: http://www.koelner-erklaerung.info/ (gegen Missachtung der Menschenrechte im Iran)
http://www.netzwerk-koelner-erklaerung.de/ (Netzwerk für Völkerverständigung in Europa)

Zuletzt geändert am 02­.01.2014

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