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Veröffentlicht am 12­.12.2005

Sexuelle Gewalt in der Kirche

Wir sind Kirche fordert therapeutische Hilfsangebote für alle Opfer sexueller Gewalt in der Kirche

Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche fordert die katholischen deutschen Bischöfe auf, so schnell wie möglich ein psychotherapeutisches Hilfsangebot für alle Beteiligten sexueller Gewalt in der Kirche einzurichten. Die schon lange zurück liegenden aber erst jetzt bekannt gewordenen Missbrauchsfälle im Bistum Magdeburg, wo die römisch-katholische Kirche in Deutschland ein Opfer finanziell entschädigt hat, macht nach Ansicht der katholischen Reformbewegung deutlich, dass mit Geldzahlungen alleine den Opfern keineswegs geholfen ist.

"Die Seele ist für immer tot, wenn Kindern oder Jugendlichen sexuelle Gewalt durch Priester bzw. Ordensleute zugefügt wurde", erklärt Annegret Laakmann, Referentin der KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche. "Aber durch Gespräche und therapeutische Hilfsangebote kann und muss alles versucht werden, den betroffenen Opfern später wenigsten einen Teil ihrer Seele zurück zu geben."

Nach den jahrelangen Erfahrungen des "Zypresse-Not-Telefons" der KirchenVolksBewegung sind die jetzt bekannt gewordenen Fälle absolut kein Einzelfall sondern folgen dem üblichen Täter-Opfer-Schema: Vielen Opfern ist es erst nach Jahrzehnten möglich, über ihre furchtbaren Erlebnisse zu sprechen, die dann aber strafrechtlich oft nicht mehr belangbar sind. Wenn sie dann endlich die ihnen widerfahrene sexuelle Gewalt aussprechen können, wird dem Opfer nicht geglaubt, Familie und Umfeld reagieren verständnislos und teilweise mit Abbruch der Beziehungen. Für viele Opfer erhöht sich dann die Suizidgefahr.

Selbst vorsichtige Schätzungen gehen von 300 pädophil (Neigung zu Kindern) oder ephebophil (Neigung zu Heranwachsenden) veranlagten Priestern in Deutschland aus. Die Zahl der Gewaltopfer wird aber um ein Mehrfaches höher liegen.

Die jetzt im Bistum Magdeburg aufgedeckten Fälle sind eine Nagelprobe, wie wirksam die von der deutschen Bischofskonferenz am 26. September 2002 verabschiedeten "Leitlinien zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche" sind und wie sie in der Praxis angewendet werden. Im Fall des Norbert Denef hat es zwölf Jahre gedauert, bis zumindest eine finanzielle Entschädigung gezahlt wurde - die zunächst mit einer Schweigeverpflichtung verbunden sein sollte.

Bereits im Sommer 2002 hatte die KirchenVolksBewegung einen präzisen Handlungskatalog formuliert und von den deutschen Bischöfen vor allem die Einrichtung von kirchenunabhängigen Ombuds-Stellen, eine öffentliche Entschuldigung bei den Opfern und eine Wiedergutmachung, die Aufhebung eventuell bestehender Vertraulichkeitsvereinbarungen sowie die therapeutische Begleitung der Opfer wie auch der Täter gefordert.

Um ihrer eigenen Glaubwürdigkeit willen muss sich die römisch-katholische Kirche mit Fällen sexueller Gewalt endlich offen und transparent umgehen. Das seelische Wohl der Opfer und ihrer Familien ist in den Vordergrund zu stellen. Dabei ist der Persönlichkeitsschutz der Beteiligten und Betroffenen sicher zu stellen, gleichzeitig aber auch dem Recht der Öffentlichkeit auf Information nachzukommen. Nur mit einem schnellen Handeln der Kirchenleitung wird nach Ansicht der KirchenVolksBewegung eine weitere Skandalisierung der sexuellen Gewalt in der Kirche vermieden und das Vertrauen in die römisch-katholische Kirche wieder aufgebaut werden können.

"Zypresse-Not-Telefon" der KirchenVolksBewegung


Für von sexueller Gewalt durch Priester und Ordensleute betroffene Kinder und Jugendliche hat die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche bereits Ende Juni 2002 das "Zypresse-Not-Telefon" eingerichtet.
(Das Not-Telefon der KirchenVolksBewegung hat vom Sommer 2002 bis Ende 2011 mehr als 400 Menschen beraten und begleitet. > aktuelle Beratungsangebote )

Annegret Laakmann, Flaesheimer Str. 269, 45721 Haltern, Tel: 02364-5588, Fax: 02364-5299, Email: laakmann@wir-sind-kirche.de

Zuletzt geändert am 08­.12.2012

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