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Veröffentlicht am 21­.07.2020

Instruktion zur pastoralen Umkehr der Pfarreien

„Versuch Roms, die Kirche wieder vorkonziliar zu machen“

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Wir sind Kirche zur „Instruktion zur pastoralen Umkehr der Pfarreien“ aus Rom

Pressemitteilung Rom, München, 21. Juli 2020

Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche sieht die Instruktion „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“ der vatikanischen Klerus-Kongregation als ungeheuerlichen Versuch Roms, die Kirche wieder vorkonziliar zu machen und dringend anstehende Pastoralreformen auszubremsen. Was von Rom zur Evangelisierung und zur Sicherung pfarrlicher Strukturen gedacht sein mag, wird – so ist zu befürchten – zur weiteren Erosion kirchlichen Lebens führen; und das nicht nur in Deutschland.

Die gänzlich unerwartete Instruktion kommt wohl mit Absicht in einer Zeit, in der in Deutschland und weltweit nach neuen Wegen für die Zukunft der Kirche gesucht wird. Sie setzt den Kurs der Laien-Instruktion aus dem Jahr 1997 fort (> Wir sind Kirche-Pressemitteilung vom 14. November 1997), der haupt- wie ehrenamtliche „Laien“ von vielen Diensten wie zum Beispiel der Predigt in der Eucharistie-Feier ausschließt. Mit dieser Instruktion werden vor allem auch alle Frauen von allen Leitungs- und Weiheämtern ferngehalten.

Diese Instruktion erscheint wie ein letzter Aufschrei einer sterbenden Religionsdiktatur. Es stellt sich die grundsätzliche Frage nach der Existenzberechtigung der Klerus-Kongregation, die in sträflicher Weise die von Papst Franziskus immer wieder zu Recht beklagte Klerikalisierung, also die Zwei-Klassen-Kirche aufrechtzuerhalten versucht.

Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche appelliert an die Gemeinden, die kirchlichen Gremien, aber auch an die Bischöfe und die Mitglieder des Synodalen Weges, sich nicht mehr kleinlich und diskriminierend vorschreiben zu lassen, wie sie ihr Leben als Glaubende zu gestalten hätten.

Pressekontakt Wir sind Kirche-Bundesteam:   
Magnus Lux, Tel: 0176 41 70 77 25, E-Mail: lux@wir-sind-kirche.de
Christian Weisner, Tel. 0172 518 40 82, E-Mail: presse@wir-sind-kirche.de

Österreich:
Martha Heizer, Tel. +43 650 4168500, E-Mail: martha@heizer.at

> Magnus Lux: Die „Laien“ haben in der katholischen Kirche nichts zu sagen

> Günther M. Doliwa: Zu einzelnen Aspekten des verfehlten Klerus-Dokument

> Klaus Huber, Peter Sutor

 

> mehr zur Instruktion zur pastoralen Umkehr der Pfarreien

 


Magnus Lux:
Die „Laien“ haben in der katholischen Kirche nichts zu sagen

Als hätte es kein Zweites Vatikanisches Konzil gegeben, zementiert die römische „Instruktion zur pastoralen Umkehr der Pfarreien“ den Klerikalismus.

Als hätte es die Bemühungen von Franziskus, dem Bischof von Rom, wie er sich selbst nennt, nicht gegeben, die Kirche synodaler, also dezentralisierter werden zu lassen, zementiert diese Instruktion den Zentralismus.

Als hätte es die Worte von Franziskus nie gegeben: „Es ist notwendig, die Neuheit des Geistes mutig anzunehmen, der fähig ist, mit dem unerschöpflichen Schatz Jesu Christi immer etwas Neues zu schaffen, denn »die Inkulturation verpflichtet die Kirche zu einem schwierigen, aber notwendigen Weg«“, sonst enden wir als „»Beobachter einer sterilen Stagnation der Kirche«“ (QA 69), zementiert diese Instruktion das Rückwärtsgewandte und sanktioniert jede Inkulturation der Kirche mit diesem römischen Verdikt.

Wir sind Kirche appelliert an die Glaubenden in den Gemeinden:
Denkt daran: Kirche ereignet sich, wo Gemeinde im Namen Jesu zusammenkommt, nicht wo zufällig ein Priester anwesend ist: „Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Denkt daran: Die Weihe erhöht nicht die persönliche Heiligkeit und führt nicht zu einer Überordnung des Priesters, sondern sie stellt ihn in den Dienst für die Menschen.

Denkt daran: Die Zwei-Klassen-Kirche ist nicht im Sinne von Jesus, den wir als einzigen Herrn der Kirche ansehen; denn „einer ist euer Meister, ihr alle seid Brüder und Schwestern.“

Lasst euch nicht einreden, dass Glaube in der Befolgung römischer Vorschriften bestehe; Glaube ist vielmehr das Ur-Vertrauen, dass Gott auf unserer Seite steht.

Lasst euch nicht einreden, dass die Zentrale in Rom immer die besten Lösungen hat; denn in der katholischen Kirche gilt die Katholische Soziallehre, und die spricht von Subsidiarität, also davon, dass die untere Ebene all das selber regelt, was sie regeln kann.

Lasst euch nicht einreden, dass nur die von Priestern geleitete Eucharistiefeier Gottesdienst ist; denn Menschendienst ist genauso Gottesdienst: „Was ihr dem Geringsten meiner Schwestern und Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Wir sind Kirche appelliert an das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und die Mitglieder des Synodalen Weges:
Setzt euch weiterhin dafür ein, dass in der Kirche für alle Glaubenden nicht nur „gleiche Würde“, sondern auch „gleiche Rechte“ gelten; denn Kirche baut sich von unten nach oben auf, von der Gemeinschaft der Glaubenden hin zur Leitung, nicht umgekehrt.

Setzt euch weiterhin dafür ein, dass Kirche nicht ein festes Korsett von Vorschriften und Verboten ist, sondern immer mehr ein Hort der Freiheit wird; denn „zur Freiheit hat uns Christus befreit“.

Setzt euch weiterhin dafür ein, dass der Dienst an den Menschen das entscheidend Christliche ist; denn „eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts“.

Wir sind Kirche appelliert an die Gemeindeleiter, die Priester:
Solidarisiert euch mit den Glaubenden in den Gemeinden; denn ihr seid nicht „Kirchenfunktionäre“, sondern „freie Mitarbeiter Christi“.

Solidarisiert euch mit den Menschen in der Gemeinde, die Verantwortung für die Gemeinde übernehmen wollen; denn sie sind es, die die Botschaft vom Reich Gottes in die Welt tragen.

Soldarisiert euch mit den in der Kirche Diskriminierten: mit den Frauen, den Homosexuellen, den nach Scheidung Wiederverheirateten, den in konfessionsverbindenden Ehen Lebenden; denn Jesus, der Mann aus Nazaret, auf den wir Christinnen und Christen uns berufen, hat niemand ausgeschlossen und sich mit dem als öffentlicher Sünder angesehenen Zöllner Zachäus an einen Tisch gesetzt.

Wir sind Kirche appelliert an die Kirchenleiter, die Bischöfe:
Ihr versteht euch als Nachfolger der Apostel: Handelt auch so und lasst euch nicht zu Abteilungsleitern und Befehlsempfängern der römischen Kurie degradieren.

Ihr habt ein Versprechen abgelegt, dem Papst gehorsam zu sein. Denkt aber daran, dass eure Aufgabe die Menschen in eurem Bistum sind, deren Leiter ihr seid. Strukturen sind wichtig, aber sie dürfen nicht zum Hindernis für den Glauben werden. Macht als Leiter den Weg frei, dass Kirche eine Zukunft hat.

Ihr versteht die Kirche hierarchisch. Im Neuen Testament ist aber nicht von heiliger Herrschaft die Rede, sondern vom Dienst: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen.“

Wir sind Kirche appelliert an Franziskus, den Bischof von Rom:
Lass dich nicht einschüchtern durch die Ewig-Gestrigen, die an der Macht kleben und ihre Reformunfähigkeit als Festhalten am wahren Glauben ausgeben.

Steh zu deinem Wort von der Synodalisierung der Kirche, damit Kirche eine Zukunft hat.

Stärke deine Brüder und Schwestern im Glauben. Lass nicht zu, dass ihnen kleinlich vorgeschrieben wird, wie sie ihr Leben als Glaubende zu gestalten hätten.

Magnus Lux, Wir sind Kirche-Bundesteam, 21.7.2020

    


Günther M. Doliwa:
Zu einzelnen Aspekten des verfehlten Klerus-Dokuments

Der Text der Instruktion (= Anweisung, Unterweisung, Weisung, Belehrung, Handlungsregel; Rom belehrt einmal wieder) spricht von „Hirtensorge“ und spiegelt ein schiefes Kirchenbild. Er legt es auf die missionarische Sendung der Kirche an, betont pastorale Umkehr der Pfarreien und tut so, als wäre „unter der Leitung der Hirten eine harmonische Synthese der Charismen und der Berufungen…verwirklicht.“ (1) Da wird gern Papst Franziskus zitiert, aber alle seine pastoralen Aussagen werden in ein rechtliches Verständnis von Kirche gerückt, und so von einer starren Tradition her missdeutet. Warnt der Papst vor einem „trügerischen Schutz“ durch Normen, die uns in unnachsichtige Richter verwandeln…während draußen eine hungrige Menschenmenge wartet“, wird die „heilige Unruhe“ (4) in den alten Rahmen der Tradition gezwängt, der aus „pulsierenden Zentren der Begegnung“ nur wieder zu instruierende Empfänger macht.

Statt nun die Gemeinden funktional und spirituell neu auszurichten, macht die Instruktion das Amt des umfassenden Seelsorge-Pfarrers mächtig, von denen in ganz Deutschland zurzeit ganze 57 Männer nachkommen. „Daher muss ein Gläubiger die Priesterweihe empfangen haben, damit er gültig zum Pfarrer ernannt werden kann. Wer sie nicht hat, kann, auch nicht im Falle des Priestermangels, weder den Titel noch die entsprechenden Funktionen erhalten… Ausgehend von den Bestimmungen des can 517 §§ 1-2, ist besonders darauf hinzuweisen, dass das Amt des Pfarrers nicht einer aus Klerikern und Laien bestehenden Gruppe übertragen werden kann.“ (66)

Und die Laien? „Kraft des Priestertums aus der Taufe sind alle Gläubigen dazu bestimmt, den ganzen Leib aufzuerbauen.“ (109) Dieser wichtige Grundsatz der Teilhabe an allen Ämtern und Diensten wird sogleich wieder aufgehoben. Den Laien ist der Weltcharakter zu eigen. Punkt. Schluss. Nur in Ausnahmefällen können Dienste übertragen werden. So „kann der Bischof gemäß seinem klugen Ermessen den Diakonen, den Gottgeweihten und den Laien unter der Leitung und der Verantwortung des Pfarrers einige Dienste in amtlicher Weise übertragen“ (98) wie Wortgottesdienste, Taufen, Beerdigungen.

„Die Laien können «nach Maßgabe der Vorschriften der Bischofskonferenz» und «in Einklang mit dem Recht und unter Beachtung der liturgischen Normen» in einer Kirche oder in einer Kapelle predigen, wenn dies die Umstände, die Notwendigkeit oder der besondere Fall erfordern. Während der Feier der Eucharistie dürfen sie jedoch die Homilie auf keinen Fall halten.“ (99) Entmündigung bleibt Entmündigung des Zeugnisses der Laien.

Die Kongregation für den Klerus hat das vom Papst am 27. Juni 2020 approbierte Dokument am 29. Juni 2020, Hochfest der heiligen Apostel Petrus und Paulus, veröffentlicht; unterzeichnet von Kardinal Stella (Präfekt), zwei Sekretären und einem Untersekretär.

Erneuerung der missionarischen Sendung kann der Klerus sich nur durch Beibehaltung des Klerikalismus vorstellen, indem das Dokument „angesichts der Dringlichkeit, die Frohbotschaft Jesu in unserer heutigen Zeit wieder erklingen zu lassen“ (Papst Franziskus, 124) Kern-Erneuerung einbettet in „eine Anwendungsweise der kanonischen Normen, die die Möglichkeiten, die Grenzen, die Rechte und die Pflichten der Hirten und der Laien festlegt“ (123).

So eng wie der Geist der Herren aber wird es der Geist des Herrn nicht haben wollen, der weht, wann, wo und wie er will.

Günther M. Doliwa, Wir sind Kirche-Bundesteam, 21.7.2020


Ein Klerus, der seine Bastionen gegenüber denen,
die zur Mitverantwortung berufen wären,
mit Klauen und Zähnen verteidigt,
nimmt einen Selbstmord der  eigenen Kirche in Kauf.

Klaus Huber, Wir sind Kirche Achern

Verkündet Kleruskongregation
eine vermeintlich Instruktion,
die freilich wirkt wie Destruktion,
weiß ich selbstdenkend Laie schon:
Da halt´ ich lieber nichts davon!

Und rate allen Jungen und Alten,
die kirchlich Zukunft wolln gestalten,
gleichfalls nichts davon zu halten.

Lasst die Greise in Rom nur walten,
die Kirche in Gestern und Morgen spalten.
Sie schaffen nichts mehr als Verdruss,
mehr Austrittszahlen sind der Schluss.

Anders zu handeln ist ein MUSS!

Peter Sutor, Hannover, Wir sind Kirche im Bistum Hildesheim

 


Press Release from WAC Germany, Munich, 21 July 2020

Instruction for the pastoral conversion of parishes:
"Attempt by Rome to make the Church pre-conciliar again"

The Movement We Are Church sees the instruction "The Pastoral Conversion of the Parish Community in the Service of the Evangelising Mission of the Church" of the Vatican Congregation for the Clergy as an outrageous attempt by Rome to make the Church pre-conciliar again and to slow down urgently pending pastoral reforms. Rome's thoughts for evangelization and for the safeguarding of parish structures will - so it is to be feared - lead to the further erosion of church life; and that not only in Germany.

The completely unexpected instruction probably comes intentionally at a time when in Germany and worldwide new ways for the future of the church are being sought. It continues the course of the Lay Instruction of 1997, which excludes both full-time and voluntary "laity" from many functions such as preaching at the Eucharist. With this instruction, above all, all women are also kept away from all leadership and ordained ministries.

This instruction seems like a last cry of a dying religious dictatorship. The fundamental question arises about the right of the Congregation for the Clergy to exist, as it tries in a criminal way to maintain the clericalization, i.e. the two-class church, which Pope Francis repeatedly and rightly has deplored.

The Movement We are Church appeals to the congregations, the church bodies, but also to the bishops and members of the Synodal Way, to no longer allow themselves to be dictated to in a petty and discriminatory way as to how they should live their lives as believers.

Press contact We are Church in Germany:
Magnus Lux, Tel: 0176 41 70 77 25, E-Mail: lux@wir-sind-kirche.de    
Christian Weisner, Tel. 0172 518 40 82, E-Mail: presse@wir-sind-kirche.de

Press contact We are Church in Austria:
Martha Heizer, Tel. +43 650 4168500, E-Mail: martha@heizer.at

 

Zuletzt geändert am 26­.07.2020