Ordinariat Eichstätt zur Priesterweihe eines evangelischen Pfarrers
In Anlehnung an die Praxis der Ostkirche ist diese Einzelfallregelung auch in der römischen Kirche möglich. Im Fall von Hans-Tilman Golde wurde berücksichtigt, dass er als evangelischer Pfarrer Aufgaben der Seelsorge als persönliche Berufung gelebt habe. Da Golde das katholische Amtsverständnis voll und ganz bejaht, sollen seine pastoralen Erfahrungen und Fähigkeiten der Diözese zugute kommen. Deshalb ermöglicht die katholische Kirche – wie in einer Reihe von Vergleichsfällen – dem ehemaligen evangelischen Pfarrer im Blick auf seine zurückliegende Tätigkeit und seinen persönlichen Werdegang die Zulassung zur Priesterweihe.“
Ja, wie denn, wenn im kirchlichen Gesetzbuch unter c.277 §1 CIC dokumentiert ist:
„Die Kleriker sind gehalten, vollkommene und immerwährende Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen zu wahren; deshalb sind sie zum Zölibat verpflichtet, der eine besondere Gabe Gottes ist, durch welche die geistlichen Amtsträger leichter mit ungeteiltem Herzen Christus anhangen und sich freier dem Dienst an Gott und den Menschen widmen können.“,
und in c.599 CIC weiter begründet wird:
„Der um des Himmelreiches willen übernommene evangelische Rat der Keuschheit, der ein Zeichen der künftigen Welt und eine Quelle reicherer Fruchtbarkeit eines ungeteilten Herzens ist, bringt die Verpflichtung zu vollkommener Enthaltsamkeit im Zölibat mit sich.“
Weshalb soll bei einem Fahnenwechsel nicht mehr gelten, was in den eigenen Reihen als unumstößlich vertreten wird? Da offenbart der en passant eingestreute Hinweis auf die ostkirchliche Praxis der Priesterheirat die ganze Widersprüchlichkeit der kirchenamtlichen Argumentation. Nicht nur aus pastoralen Erwägungen (Priestermangel), sondern um der Glaubwürdigkeit der Papstkirche willen und der Gerechtigkeit gegenüber den mit Berufsverbot sanktionierten verheirateten Priestern wäre es dringend geboten, den Pflichtzölibat neu zu bedenken und die bis ins 12. Jahrhundert bestehende Tradition der verheirateten Priester wieder zu beleben. Schließlich war der erste Papst ein Ehemann – und viele nach ihm auch.
Zuletzt geändert am 09.08.2007

