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Veröffentlicht am 05­.07.2021

Prof. Norbert Scholl zum 90.

Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche gratuliert in großer Dankbarkeit und mit allen guten Wünschen Prof. Dr. Norbert Scholl zur Vollendung seines 90. Lebensjahres am 7. Juli 2021. Norbert Scholl lehrte von 1969 bis 1996 als Professor katholische Theologie an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg.
> Wikipedia-Eintrag

Der Autor zahlreicher Bücher begleitet die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche seit Anbeginn als kompetenter und engagierter theologischer Berater. 2011 gehörte er zu den Erstunterzeichnenden des Theologenmemorandums "Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch".

Restexemplare seines 1997 erschienenen Buchs „Frohbotschaft statt Drohbotschaft. Die biblischen Grundlagen des Kirchenvolks‐Begehrens“ sind gegen eine Spende direkt bei Wir sind Kirche bestellbar: presse@wir-sind-kirche.de

> Werke von Norbert Scholl bei Wikipedia  

> Literatur von und über Norbert Scholl im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (65 Einträge)

> KNA-Meldung 7. Juli 2021

 

Ausgewählte Texte bei Wir sind Kirche:

Scheitern die katholischen Reformer?
Rennt die Kirchenvolksbewegung gegen Mauern und an den Hauptproblemen vorbei?
Streitgespräch zwischen den Theologen Gerhard Müller (damals noch Prof. für Dogmatik in München) und Norbert Scholl
> Publik-Forum 22.2.2002

Aufbruch von unten. Die Rolle der Reformbewegungen in der kath. Kirche
Vortragsmanuskript zum 10-jährigen Jubiläum der KirchenVolksBewegung 2005
> PDF 16 Seiten

„Lebensgestaltung-Ethik-Religion“
Der Religionspädagoge Prof. Norbert Scholl spricht sich für ein verpflichtendes Unterrichtsfach für alle an allen Schulen aus, 2016, 48 Seiten, 3,00 Euro
> Heft per Email bestellen  oder   > bestellen@wir-sind-kirche.de
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"Wenn die Ehe zerbricht..."
Prof. Dr. Norbert Scholl zur Frage der Wiederverheiratung Geschiedener, August 2015, 56 Seiten
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Horst Münch (Sandhausen): Norbert Scholl 90 Jahre - Dolmetscher des Zweifelglaubens

Eine kurze Würdigung der sehr zahlreichen Veröffentlichungen von Prof. Norbert Scholl

Die Sache Jesu braucht Begeisterte.
Sein Geist ruft sie auch unter uns.
Er macht uns frei, damit wir einander befrein.

Im Jahr des 65. Geburtstages von Norbert Scholl und seiner Emeritierung erschien auch sein Buch „Was mir zu denken, zu zweifeln und zu hoffen gibt – Glaubenerfahrungen“ Wenn man so will ein Lebensmotto – nicht Glaubensätze, sondern Glaubenserfahrungen,

Gleich zu Beginn wird  er sehr persönlich: „ICH GLAUBE“  

„Fünfzig Jahre“ (inzwischen sind es 75 Jahre) „ habe ich  mich bemüht, in Predigt und Katechese, im Religionsunterricht von der ersten bis zur dreizehnten Klasse, in Erwachsenenbildung und Jugendarbeit, in Vorträgen und Vorlesungen, im persönlichen Gespräch und in Briefen, in Publikationen und Rundfunkbeiträgen, sowie – das hoffe ich wenigstens – auch durch das bescheidene Zeugnis meines Lebens etwas von dem weiterzugeben, was mich bewegte, was mich umtrieb, was mir zu denken, zu hoffen und zu zweifeln gab: den christlichen Glauben.

Ich erlebte, wie nach dem verheerenden, alles in Trümmer schlagenden Krieg, aus den Ruinen eine Kirche zu knospen begann, die viele junge Menschen begeisterte und ihnen Zukunftsperspektiven eröffnete…..eine Euphorie des Glaubens hatte mich gepackt. Durch vielfältige Kontakte zu führenden Kirchenleuten musste ich wohl oder übel manchmal auch etwas hinter die Kulissen der kirchlichen Leitungsgremien blicken, Eine erste Ernüchterung setzte ein… Aber …Johannes XXIII. wischte alle meine Bedenken wieder weg… (er) wollte die lange geschlossen gehaltenen Fenster wieder öffnen und frische Luft, neuen Atem, heiligen Geist in die altehrwürdigen Gemäuer lassen…Man konnte wieder frei atmen. Die Luft war belebend, frisch und gesund. Aber sie tat nicht allen gut…Mühevoll aufgebaute Aktenberge mit minutiösen Vorschriften für alles und jedes flogen davon…..

Bald bekamen manche alten und jungen Greise, die in Rom noch immer an den Schalthebeln der Macht saßen,….von dieser ungewohnten Zugluft den Schnupfen. Sie beeilten sich, die Fenster .. schnell wieder zu schließen….Die verschwundenen Richtlinien und Verordnungen,

Enzykliken und Lehrschreiben, Kirchenrechtscodices und Erlasse ersetzten sie durch neue….

Mein Studium ließ mich tiefer in die Theologie, in die Exegese der Schrift und die Geschichte der Kirche eindringen. Ich musste erkennen, dass uns Studenten …allzuvieles von den Schattenseiten der Kirche vorenthalten worden war. …..

Heute 30 Jahre nach dem Konzil scheint es so, als hätten Bürokraten und Bremser in der Kirche den Sieg über konziliaren Aufbruch…errungen. Eine grundlegende Strukturreform… wurde reaktionär abgeblockt, weil die kuriale Kirchenleitung darin einen erheblichen Machtverlust befürchtete….Es fiel mir immer schwerer, die römischen Restaurationsbemühungen und  Abschottungsmaßnahmen innerlich und äußerlich mitzuvollziehen…Allerdings erkannte ich in diesen Jahren glücklicherweise auch, dass der Geist Gottes trotz intensiven Bemühens, ihn in Verordnungen und Erlassen einzubinden, durchaus am Werk ist…Wie an der Basis neben Resignation und Lähmung auch neue hoffnungsvolle Aufbrüche anzutreffen sind…

Auch ich habe mich bemüht, das, was mich vor 50 Jahren erfasst und umgetrieben hatte, in mir nicht zum Stillstand kommen zu lassen. Immer wieder habe ich die alten Fragen nach Gott, nach Jesus von Nazaret, nach Gottes Geist, nach der Kirche und nach dem neuen Leben gestellt. …Ich habe die tradierten Glaubensformeln von neuem buchstabiert und mich darum gemüht zu begreifen, was sie aussagen möchten. Ich habe versucht, das Überlieferte in eine neue Sprache zu übersetzen, die Menschen von heute verstehen können….. Nach der Bibel ist christlicher Glaube kein wohldurchdachtes, unantastbares und unwandelbares Gebäude von Dogmen und Kirchengesetzen.“ Hier drängt sich ein kleines Wortspiel auf: Vor lauter Festhalten an dem Lehrgebäude, sorgen diese alten und jungen Greise für Leergebäude, die Menschen wenden sich von der Kirche ab.

Es ist hier nicht der Raum, das umfangreiche und vielfältige Werk Scholls ausführlich vorzustellen. Es reicht von Texten für Jesuscomics in mehreren Heften, Texten zu einem Fotoband, kleinen Schriften zu einzelnen Sakramenten, ein kleineres Heft „Wenn die Ehe zerbricht…Zur Frage der Wiederverheiratung Geschiedener“ zur Familiensynode, aber auch zu sehr gründlichen und ausführlichen, Texten „Die Bibel, verstehen“, einem Jesusbuch „Jesus von Nazareth - was wir wissen, was wir glauben können“. Es gibt ein wunderbares kleineres Buch „Mit anderen Augen schauen – Glaubenserfahrungen in den Alpen“. Da sind erzählende Bücher wie „Mein Bruder Jeschua – Erinnerungen des Jakobus an die Zeit in Galiläa und Jerusalem“ oder „Ein Bestseller entsteht: Das Matthäusevangelium“.

In seinem Buch „Mein Zweifelglaube“ schreibt er im Vorwort „Viele der hier vorgetragenen Gedanken und Überlegungen wurden angeregt in einem Gesprächs- und Freundeskreis zweifelnd-glaubender Menschen, die sich seit vielen Jahren regelmäßig zu einem kritischen Gedankenaustausch treffen“.

Weitere Sätze gelten für viele seiner Bücher:
„Das Buch ist geschrieben
für alle, die glauben möchten und doch von Zweifeln geplagt sind – als Rückhalt in ihrer Unsicherheit                                 
für alle, die felsenfest glauben und von keinerlei Zweifel  bedroht sind – als Anfechtung…
für alle, die schwanken zwischen  Zweifel und Glauben… - als Ermutigung in ihrer Aufrichtigkeit
für alle, die einen Zweifelglauben leben – als Bestätigung in ihrem Suchen und Fragen.“

In diesem Buch finden sich auch Sätze (in kleiner Auswahl) wie
„Wir haben ein „Gesetz“, und nach dem dürfen zwar Mörder und Räuber, Betrüger und Gauner auf eine Vergebung hoffen, nicht aber wiederverheiratete Geschiedene.
Wir haben ein „Gesetz“, und nach dem gibt es keine Ordination für verheiratete Männer und schon gar nicht für Frauen.
Wir haben ein „Gesetz“, und nach dem darf ein Laie nicht predigen, auch wenn er theologisch besser qualifiziert ist als der Pfarrer.
Wir haben ein „Gesetz“ und von dem gehen wir nicht ab, mag auch die Kirche darüber zugrunde gehen.“

Dieser Tage hört man aus Rom wieder vom „Gehorsam“, den die Gläubigen zu erbringen haben. Irgendwie scheint die Erinnerung an Jesus verloren gegangen zu sein. Zweifel war und ist für viele Hierarchen immer noch Aufruhr, Ungehorsam und Sünde.

Wenn man die Anmerkungen in den Büchern Scholls liest, findet man immer wieder Zitate aus dem Internet.

Wie breit Scholls Interesse ist zeigt auch sein kundiges Buch „Glauben im Zweifel – Der moderne Mensch und Gott“. Hier erinnert er daran, dass Zweifel ein Wesenselement der Naturwissenschaften ist und zeigt „auch, in der Theologie sind Umdenken und Neukonzeptionierung erforderlich“.

Zum Katholikentag in Münster konnte das Buch „Anders in die Zukunft gehen – Warum Christsein sinnvoll ist“ erscheinen.

 Das zuletzt erschienene Buch ist „Gott der die das große Unbekannte – Staunens-Wertes und Frag-Würdiges“. Eigentlich gar nicht so neu, sondern nur vergessen ist die „Negative Theologie“: Jede Aussage über Gott ist mehr falsch als richtig. In dem am Anfang aufgeführten Buch erinnert Scholl an das zu seiner Studienzeit gängige Lehrbuch der Dogmatik, was man da alles von Gott „wusste“.

Wenn Scholl auch „erst“ 90 Jahre ist, das nächste Buch liegt schon fast fertig in der Schublade. Norbert Scholl versteht sich als Dolmetscher, der die alte Sprache so „übersetzt“, dass man sie wieder verstehen kann.

Nicht vergessen werden sollen auch seine Beiträge in Zeitschriften (wie Imprimatur-Trier) oder Leserbriefe. Sein Einsatz für z.B.„Wir sind Kirche“ und vieles andere.

Vieles ist fragwürdig, wird meist negativ verstanden. Norbert Scholl zeigt, dass Gott und Jesus im wahrsten Sinne des Wortes Frag-Würdig sind.

Bei seiner Emeritierung am 29.06.1996 gab er uns Teilnehmern auch einige Gedanken mit in die Agape-Feier:

„Ich träume von einer Kirche, die aus der derzeitigen Starre herauskommt und in die wieder mehr Bewegung einkehrt“. Und er träumte weiter. Es war ein langer Traum….

Dom Helder Camara sagte einmal: „Wenn einer alleine träumt, bleibt es ein Traum. Träumen wir aber alle gemeinsam, wird es Wirklichkeit.“

 

 

 

 

Zuletzt geändert am 09­.07.2021